Das Zeitalter der Erkenntnis

Wissenschaft und Kunst im Dialog

Das Zeitalter der Erkenntnis von Eric KandelEric Kandel erforscht die Wiener Moderne

 

Das Zeitalter des Erkennens

.. ist eine akribische  Erforschung  der komplexen Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Wissenschaft. Der Nobelpreisträger Eric Kandel vertritt hier eine Renaissance des Dialogs zwischen Kunst und Wissenschaft und beschreibt die Ergebnisse solcher Kollaborationen mittels seiner tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Wiener Moderne.

Dieser brillante Text  ist eine Verbindung von der Kunst von Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und Egon Schiele, auch bekannt als Wiener Moderne, und seinem eigenen Lebenswerk in der Neuropsychiatrie. Kandel wurde 1929 in Wien geboren und zog 1939 nach Brooklyn, New York. Im Jahr 2000 erhielt er den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Forschung zur Gedächtnisspeicherung in Neuronen. Während der Vorbereitung auf einen Vortrag im Jahr 2001 brachte Kandel  erstmals die Wiener Modernisten mit der Wiener Schule für Medizin und Psychoanalyse in Verbindung. Die Prämisse von  Das Zeitalter des Erkennens  wurde an diesem Tag  öffentlich präsentiert.

Kandel umreißt mit diesem erstaunlichen Werk seine Vision, einen kontinuierlichen Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft zu ermöglichen.  Der Wissenschaftler  plädiert für die Konvergenz verschiedener Studien auf der Suche nach einer kontinuierlichen Weiterentwicklung unseres Verständnisses der Geisteswissenschaft (das Ergebnis der Verschmelzung von Kognitionspsychologie und Neurowissenschaft) und der kreativen  Bereiche. Kandel schlägt vor:

„Solche Dialoge könnten uns helfen, die Mechanismen im Gehirn zu erforschen, die Wahrnehmung und Kreativität ermöglichen, sei es in der Kunst, den Wissenschaften, den Geisteswissenschaften oder im Alltag. In einem erweiterten Sinn könnte dieser Dialog dazu beitragen, dass Wissenschaft Teil unserer gemeinsamen kulturellen Erfahrung wird „. 

Er benutzt Wien in den frühen 1900er Jahren, um zu zeigen, wie reich und kooperativ ein solcher Dialog sein kann, der zu neuen Einsichten nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Kunst führte.

Das Argument für eine Auferstehung der Dialoge der Wiener Moderne ist durchaus diskutabel. In der Tat ist Kandels Abhandlung auf  knapp 700 Seiten von  vielen gut recherchierten, geprüften und beredten Beispielen dafür, wie verschiedene Disziplinen die Erschließung neuer Grundlagen in anderen Disziplinen inspiriert haben. Kandel baut sein Modell sorgsam Schicht um Schicht und schafft ein tiefes, reiches Mosaik, das Künstler, Philosophen, Psychologen, Psychoanalytiker, Neurowissenschaftler und Schriftsteller miteinander verbindet, um zu demonstrieren, wie sie sich  in ihrem scheinbar getrennten Arbeitsfeldern  gegenseitig  positiv beeinflusst  und inspiriert haben.

Jedes Kapitel baut auf den Beweisen auf, die er im vorherigen Kapitel geliefert hat. Die Fertigstellung eines Kapitels gibt dem  Leser einen Vorgeschmack auf das, was im nächsten folgen wird. Selbst wenn er tief in die Erklärung der Funktionsweise des menschlichen Gehirns vertieft ist, lässt Kandel kleine Edelsteine ​​fallen, etwa wenn er den Prozess des Sehens beschreibt, erklärt er wie das Gehirn interpretiert, was wir als „keine Kamera, sondern ein homerischer Geschichtenerzähler“ sehen.

Die ersten Kapitel sind eine fesselnde Geschichte der drei Künstler Klimt, Kokoschka und Schiele, komplett mit den  Bildern ihrer Werke, die Kandel im gesamten Buch erforscht und zitiert. Ihr Stil und ihre Einflüsse einschließlich Biologie, Medizin und Psychoanalyse werden umfassend erforscht. Es wird außerdem untersucht, wie die Erfindung und Popularität der Fotografie die Künstler  hinderte, weiterhin Gemälde von Porträts und Landschaften anzufertigen, es wird klar, wie diese Entwicklung den Künstlern die Freiheit gab, sich dem Selbst und dem  Wesen des Unbewussten zuzuwenden. In der Folge ging jeder dieser drei Künstler seinen  ganz eigenen Weg, um die inneren Abläufe des Geistes zu erforschen und kennenzulernen.

Doch die Künstler waren nicht die einzigen, die zu dieser Zeit das unbewusste Wirken von Geis und Psyche in Wien erforschten. Im Spannungsfeld zwischen Leben und Werk von Klimt, Kokoschka und Schiele ist der bahnbrechende Einfluss von Sigmund Freud und seinem genialen Verständnis des Unbewussten verwoben. Freuds Beiträge zu unserem Verständnis des Geistes werden umfassend untersucht, und Kandel bezieht sich auf Freuds nachhaltigen Einfluss auf die Welt der Psychologie und die Wissenschaft des Gehirns. Kandel stellt nahezu eine Parallele zum Werk Freuds her und seiner Arbeit mit der der Wiener Moderne und untersucht penibel, wie  damals die Wissenschaftler und Künstler das Unbewusste erforschten.

Kandel zeichnet in diesem umfangreichen Text ein klares Bild des wechselseitigen Einflusses zwischen Kunst und Wissenschaft, indem er die Wiener Moderne als Vorbild und Anker im ganzen Buch verwendet. Auf diesem sicheren Fundament führt Kandel den Leser  in die 1930er Jahre und beschreibt, wie die Kognitionspsychologie mit der Entwicklung einer kognitiven Psychologie der Kunst oder

einer interdisziplinären Wahrnehmungs- und Emotionspsychologie in die Kunstgeschichte eingeflochten wurde mit der Idee, dass sie  letztlich den Weg für einen biologischen Zugang zu Wahrnehmung, Emotion und Empathie bereiten können“. 

Dies kam schließlich zum Tragen, da die Zusammenarbeit zwischen Gehirnbiologie und kognitiver Psychologie zu einem besseren Verständnis dessen geführt hat, wie wir Kunst sehen und darauf reagieren. Kandel erklärt, dass die Wissenschaft Beweise dafür liefert, wie wir auf Kunst reagieren, aber dass Kunst

Einblicke erlaubt, wie sich eine bestimmte Erfahrung anfühlt. Ein Gehirn-Scan kann die neuralen Anzeichen einer Depression zeigen, aber eine Beethoven-Symphonie zeigt, wie sich diese Depression anfühlt. Beide Perspektiven sind notwendig, wenn wir die Natur des Geistes vollständig erfassen wollen, aber sie werden nur selten zusammengebracht“. 

Der Leser wird  mit einem neuen und tieferen Verständnis dafür belohnt, wie wir Gefühle wahrnehmen, verarbeiten, Informationen verarbeiten und  Kunst sehen und darauf reagieren.

Eine der faszinierendsten Erkundungen und  ist die Wissenschaft bezüglich der Rezeption eines Kunstwerk. Der Betrachter ist seit langem eine bekannte Größe im Kunstverständnis. Künstler wie Leonardo da Vinci haben die kritische Rolle des Betrachters erkannt. In Wien der 1930er Jahre haben Kunsthistoriker das Konzept des Anteils des Betrachters ausgearbeitet und eine neue Theorie über die Rolle des Betrachters entwickelt. In den letzten zwei Jahrzehnten, mit Fortschritten in der Neurowissenschaft, haben wir jetzt ein noch klareres Bild davon, wie man Kunst betrachtet und darauf reagiert.

In Erforschung der Wiener Moderne bemerkt Kandel, wie die Künstler die Beziehung zum Betrachter verändern wollten: als die Künstler ihr eigenes Unbewusstes erforschten, Klimt und die Wiener Moderne versuchten, die Beziehung zum Betrachter zu verändern, indem sie den

Zuschauern Kunst und sich selbst in einer neuen, emotional introvertierteren Art und Weise näher brachten, dass sie Psyche des Dargestellten erkennen konnten und somit auch die unbewussten Ängste und Triebe in jedem erfahrbar machten „.

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Der Autor beschreibt die historischen Schritte, die zu aktuellen Erkenntnissen in der Wissenschaft des Geistes führten,  und er führt damit zu einem besseren Verständnis dessen, wie wir heute Kunst wahrnehmen.  Durch die eingehende Erforschung des menschlichen Gehirns illustriert er den Text noch einmal nachhaltig und verweist fortwährend auf die Werke der Wiener Moderne.  Der Leser erfährt viel neues zu den bahnbrechenden Werken von Klimt, Kokoschka und Schiele, während  der Text detailliert beschreibt, wie das Gehirn die verschiedene Aspekte eines Kunstwerks wahrnimmt.

Der Autor zeigt auf, wie Künstler, einschließlich Klimt, Kokoschka und Schiele, und sogar Künstler vor ihnen ein tieferes Verständnis davon hatten, wie wir als Betrachter die Kunst sehen und erleben, bevor die Wissenschaft überhaupt Beweise dafür hatte. So wurden beispielsweise Porträts von Kokoschka und Schiele, seien es Selbstporträts oder Porträts von anderen, häufig mit direktem Blickkontakt gemalt. Kandel erklärt uns nun mit seiner Wissenschaft, dass dies das Gehirn dazu zwingt, anders zu reagieren, als wenn man auf ein Porträt schaut, in dem die Augen des  Portaitierten  nicht auf den Betrachter fokussiert sind. Mit solchen , scheinbar nebensächlichen Beispielen bringt Kandel die Welt der Neurowissenschaft  der Welt der Kunst näher;  sie illustrieren deutlich, wie die Künstler oft intuitiv wussten, was die Wissenschaft soeben erst entdeckt.

Kokoschka griff in seinen Gemälden und Porträts eher auf den emotionalen Gebrauch von Farbe als auf den konventionellen, realistischen Farbgebrauch zurück und erhöhte damit gezielt und bewusst die emotionale Wirkung seiner Bilder auf den Betrachter

Der Autor hält fest, dass

Kunst ein lustvoller und lehrreicher Versuch des Künstlers und des Betrachters ist, miteinander zu kommunizieren und den kreativen Prozess zu teilen, der jedes menschliche Gehirn charakterisiert – ein Prozess, der zu einem Aha-Erlebnis führen kann. Diese plötzliche Erkenntnis, die uns erlaubt, die Wahrheit zu sehen, die sowohl der Schönheit als auch der Hässlichkeit zugrunde liegt, wie sie der Künstler darstellt „

Der Leser sollte sich nicht von Kandels dickem Buch einschüchtern lassen. Er schreibt sehr eloquent und mit  viel Humor. Die Funktionsweise des  menschlichen Gehirns kann ziemlich technisch-funktional sein, aber der Kern dieses  nun auch als Tachenbuch erschienenen Werks und die hier offengelegten wissenschaftlichen  Erkenntnisse und Einsichten sind für jeden lesenswert, der neugierig und bereit ist, einige Zeit mit diesem wunderbaren Buch  zu verbringen, um zu erfahren, wie menschlicher Geist und Verstand funktionieren und was das für die Rezeption von Kunst bedeutet.

 

00000000000- Ein Besucher der Schirn-Kunsthalle betrachtet eine Aktzeichnung von Egon Schiele

Akt von Egon Schiele und sein Betrachter

 

Eric Kandel – Das Zeitalter der Erkenntnis – Pantheon Verlag – 700 Seiten – ISBN 978-3-570-55241-4

 

Da Sie gerade hier sind: Sie finden meinen blog auch  hier und auf DER FREITAG

Thomas Bernhard unterwegs

Thomas Bernhard – gnadenlos ungerecht !

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Seine herrlichen „Städtebeschimpfungen“

als dreistündiger Hörgenuss.

 

Wien ist eine fürchterliche Genievernichtungsmaschine, dachte ich auf dem Ohrensessel, eine entsetzliche Talentezertrümmerungsanstalt.

Die Stadt Wien ist eine einzige stumpfsinnige Niederträchtigkeit

Aus: »Holzfällen«

Kompromisslos, gnadenlos und manchmal sogar zutreffend – cum grano salis.

Thomas Bernhard, der große Weltzertrümmerer, der lebenslange Schmäher seines geliebten Heimatlandes Österreich, das ihm doch erschien als zutiefst verachtenswerte Brutstätte für Stumpfsinn und Reaktion; als unheilige Vereinigung von Katholizismus und Nationalsozialismus.

Und er war auch durchaus bereit und fähig anderen Zumutungen in anderen Ländern sein höchst subjektives, unzensiertes, immer naturgemäss auch ungerechtes Urteil auszustellen und drucken zu lassen. Die empörten Aufschreie und Schmähungen genoss der 1989 viel zu früh verstorbene Großkritiker, Dramatiker und begnadete Schriftsteller in der Waldeinsamkeit auf seinem Hof in Obernathal bzw. Ohlsdorf.

Die hier auf drei CDs vorgetragenen Schmäh- und Hasstiraden sind herrlich anzuhören, auch brüllend komisch und manch ein Kopfnicken mag ihn belohnen.

„Bremen verabscheute ich vom ersten Moment an, es ist eine kleinbürgerliche unzumutbar sterile Stadt.“

Aus: »Meine Preise«

Dazu es gibt sogar eine privat erstellte Google Maps – Karte hier.

Thomas Bernhard – Städtebeschimpfungen – gelesen von Peter Simonischek und Michael König – Laufzeit 3h08min – Hörverlag – http://www.hoerverlag.de 

 

Kunst für jeden Tag

365 Tage Kunstgenuss als Buch

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Eine echte Bereicherung  ist dieser Kunstkalender der ganz anderen Art nicht nur für den Schreibtisch im Büro. Dieser kleine, quadratische Kunstkalender, der durch das Jahr führt, ohne eines  zu nennen. Jedem Tag ist eine Doppelseite gewidmet, auf der rechten Seite sieht man den Ausschnitt eines Gemäldes,auf der linken Seite findet man ein berühmtes oder weniger bekanntes Zitat eines Literaten oder Künstlers, stets passend zum gezeigten Kunstwerk; dazu eine  Kalenderzeile, um  Termine des Tages oder ähnlich wichtiges hier einzutragen. So erinnert man mühelos mittels des Bildes auch den Inhalt der Seite; die Kunst baut eine Eselsbrücke.

Das alles ist naturgemäss gedruckt auf hochwertigem Hochglanzpapier und in einer guten Reproduktion von Farben und Bildschärfe. Dieser kleine Tischkalender wird Sie erfreuen und ihre Gedanken erfrischen und auf gute Wege lenken. Kunst im Alltag, Tag für Tag, für ein ganzes Jahr im Leben.  „Allein die Kunst ist unerschöpflich“ !

365 Tage Kunstgenuss – Prestel Verlag – ISBN 978-3-7913-8290-6

Zur „Deutschen Kultur“

thea dorn-deutsch nicht dumpf-schriftsaetzer-blog-cellensia-celle-juergen muegge luttermannDeutsch – was ist das ?

 

„Eine spezifisch deutsche Kultur ist schlichtweg nicht identifizierbar“ .

Das erklärte die  ehemals von der Bundesregierung Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özogüz – SPD, im Jahre 2017. Die in Hamburg geborene Deutschtürkin trat mit diesem  ebenso mutigen wie falschen Statement einen kleinen Skandal los. Denn der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland verkündete im Wahlkampf postwendend lauthals, er wolle die SPD-Politikerin „in Anatolien entsorgen“.

Der eigentliche Skandal in dieser Causa war allerdings das Schweigen der großen Mehrheit der Verantwortlichen in Politik, Medien und Kulturbetrieb unserer Republik. Es gab weit und breit  offenbar niemanden, der bereit war, seinen Hut für die identitätsstiftende Kraft einer „deutschen Kultur“ in den Ring zu werfen. Kein Feuilletonist, keine Kulturschaffender, kein Künstler, kein Autor, kein Theaterregisseur – von der Politik erwartet man das ja ohnehin nicht mehr – meldete sich zu Wort, ein gutes Wort für die angeblich „nicht identifizierbare“ deutsche Kultur einzulegen. Das war der eigentliche Skandal.

Die  studierte Philosophin, und Theaterwissenschaftlerin  Thea Dorn (Die deutsche Seele) muss es wohl ähnlich empfunden haben. Denn sie leitet mit der Frage nach dem Vorhandensein einer „spezifisch deutschen Kultur“  ihre Gedanken und Überlegungen zu einer deutschen Kulturgeschichte ein.

Gleich zu Beginn beleuchtet sie die große Komplexität des sogenannten Kulturbegriffs, indem sie keinen geringeren als den den österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein mit seinen „Philosophischen Untersuchungen“ zu Wort kommen lässt. Sein expliziter Verweis auf den sehr komplexen Sinngehalt des scheinbar einfachen Begriffs „Spiel“ verdeutlicht schlaglichtartig, worauf wir uns einlassen müssen, wenn wir die Geschichte, Vielschichtigkeit und Facettenreichtum eines allgemeingültigen Kulturbegriffs in Worte kleiden wollen.

 So sei es laut Thea Dorn, auch mit der „deutschen Kultur“:

Man hat es mit einem komplizierten Netz von Ähnlichkeiten zu tun, die „einander übergreifen und kreuzen“.

Wer über diese deutsche Kultur sprechen will, hat eine durchaus intellektuell anspruchsvolle Aufgabe vor sich. Ähnlich verfährt Thea Dorn mit den Begriffen  „Heimat“, „Leitkultur“ oder „Nation“. Ihr Patriotismus lebt von den  heutzutage erwartbaren  Schwierigkeiten einer mutigen, dezidierten, wie auch immer definierten Haltung, dem kritischen Denken und der Dialektik der permanenten Auseinandersetzung  mit  Kombatanten von links und rechts.

 Dabei  unterscheidet die Autorin ein „Lager der Krawallmacher“ und ein „Lager der Konsensverwalter“. Der Streit zwischen beiden verhindere „konstruktive Auseinandersetzungen“.

Zu Wort kommt auch Kurt Tucholskys:

Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ,national‘ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. … Wir sind auch noch da.“ 

Es ist ein aufrichtiges Plädoyer, die Komplexität und den Konfliktreichtum  der deutschen Kultur anzunehmen und diese Merkmale als ihr Wertvollstes zu erkennen. Wenn es denn richtig ist, dass  unsere vielbeschworene „Naturliebe, Heimweh und Fernweh und Menschheitspathos“ und vieles mehr miteinander ringen und dieses ständige Bemühen um die tiefere Erkenntnis die wahren Antriebskräfte einer deutschen Kultur waren, dann sollten sich deutsche Patrioten motiviert einmischen, kritisieren und argumentieren. Ja, auch polemisieren.

Thea Dorn – deutsch, nicht dumpf – Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten. Albrecht Knaus Verlag –  336 Seiten – ISBN 978-3-8135-0810-9

 

 

 

 

Bloomsday 2018

Bloomsday 2018

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Marilyn Monroe liest Ulysses

 

 Zu James Joyce hier leider etwas wenig Erfreuliches 

Noch mehr zum aktuellen Thema finden Sie hier

Zum Bloomsday 2018 – Ein Autograph von

James Joyce’s „Ulysses“:

 

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James Joyce – Ulysses – Aus der „Circe“ – Episode – Hier finden Sie mehr

 

Zum Bloomsday 2018:

James Joyces „Ulysses“:

Der Raubdruck in „Tho Worlds Monthly“

 

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Der amerikanische Verleger Samuel Roth hatte Ulysses in seiner neuen Zeitschrift

Two Worlds Monthly

als Serie veröffentlicht, aber ohne  die Rechte von James  Joyce einzuholen. Dieser Raubdruck  vervollständigt das Rosenbach-Archiv der raubkopierten Veröffentlichungen von Ulysses.

Amerikanische Leser wurden in der New Yorker Zeitschrift The Little Review mit den ersten Kapiteln von Ulysses bekannt gemacht, aber die Zeitschrift wurde wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen Obszönität in der Kunst verboten.

Da James Joyce keinen Verlag in der englischsprachigen Welt finden konnte, ließ er das Buch 1922 in Paris veröffentlichen. Obwohl es in den Vereinigten Staaten noch verboten war, führte sein international wachsender Ruhm dazu, dass viele Exemplare  in die Vereinigten Staaten eingeschmuggelt wurden. Der Verlag Samuel Roth erhoffte sich daraus einen Vorteil  für die Veröffentlichung in Form einer Serie in seinem neuen Magazin Two Worlds Monthly, aber ohne die notwendige Autorisierung durch  Joyce.

Dieser Raubdruck  provozierte einen internationalen Protest, der von 167 Künstlern und Schriftstellern in der Zeitschrift Transition  im Jahr 1927 unterzeichnet wurde. James Joyce gewann schließlich eine einstweilige Verfügung, die Roth zwang, diese Veröffentlichung zu stoppen, obwohl er später den gleichen Text in Buchform veröffentlichte.

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