Kunst für jeden Tag

365 Tage Kunstgenuss als Buch

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Eine echte Bereicherung  ist dieser Kunstkalender der ganz anderen Art nicht nur für den Schreibtisch im Büro. Dieser kleine, quadratische Kunstkalender, der durch das Jahr führt, ohne eines  zu nennen. Jedem Tag ist eine Doppelseite gewidmet, auf der rechten Seite sieht man den Ausschnitt eines Gemäldes,auf der linken Seite findet man ein berühmtes oder weniger bekanntes Zitat eines Literaten oder Künstlers, stets passend zum gezeigten Kunstwerk; dazu eine  Kalenderzeile, um  Termine des Tages oder ähnlich wichtiges hier einzutragen. So erinnert man mühelos mittels des Bildes auch den Inhalt der Seite; die Kunst baut eine Eselsbrücke.

Das alles ist naturgemäss gedruckt auf hochwertigem Hochglanzpapier und in einer guten Reproduktion von Farben und Bildschärfe. Dieser kleine Tischkalender wird Sie erfreuen und ihre Gedanken erfrischen und auf gute Wege lenken. Kunst im Alltag, Tag für Tag, für ein ganzes Jahr im Leben.  „Allein die Kunst ist unerschöpflich“ !

365 Tage Kunstgenuss – Prestel Verlag – ISBN 978-3-7913-8290-6

Zur „Deutschen Kultur“

thea dorn-deutsch nicht dumpf-schriftsaetzer-blog-cellensia-celle-juergen muegge luttermannDeutsch – was ist das ?

 

„Eine spezifisch deutsche Kultur ist schlichtweg nicht identifizierbar“ .

Das erklärte die  ehemals von der Bundesregierung Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özogüz – SPD, im Jahre 2017. Die in Hamburg geborene Deutschtürkin trat mit diesem  ebenso mutigen wie falschen Statement einen kleinen Skandal los. Denn der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland verkündete im Wahlkampf postwendend lauthals, er wolle die SPD-Politikerin „in Anatolien entsorgen“.

Der eigentliche Skandal in dieser Causa war allerdings das Schweigen der großen Mehrheit der Verantwortlichen in Politik, Medien und Kulturbetrieb unserer Republik. Es gab weit und breit  offenbar niemanden, der bereit war, seinen Hut für die identitätsstiftende Kraft einer „deutschen Kultur“ in den Ring zu werfen. Kein Feuilletonist, keine Kulturschaffender, kein Künstler, kein Autor, kein Theaterregisseur – von der Politik erwartet man das ja ohnehin nicht mehr – meldete sich zu Wort, ein gutes Wort für die angeblich „nicht identifizierbare“ deutsche Kultur einzulegen. Das war der eigentliche Skandal.

Die  studierte Philosophin, und Theaterwissenschaftlerin  Thea Dorn (Die deutsche Seele) muss es wohl ähnlich empfunden haben. Denn sie leitet mit der Frage nach dem Vorhandensein einer „spezifisch deutschen Kultur“  ihre Gedanken und Überlegungen zu einer deutschen Kulturgeschichte ein.

Gleich zu Beginn beleuchtet sie die große Komplexität des sogenannten Kulturbegriffs, indem sie keinen geringeren als den den österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein mit seinen „Philosophischen Untersuchungen“ zu Wort kommen lässt. Sein expliziter Verweis auf den sehr komplexen Sinngehalt des scheinbar einfachen Begriffs „Spiel“ verdeutlicht schlaglichtartig, worauf wir uns einlassen müssen, wenn wir die Geschichte, Vielschichtigkeit und Facettenreichtum eines allgemeingültigen Kulturbegriffs in Worte kleiden wollen.

 So sei es laut Thea Dorn, auch mit der „deutschen Kultur“:

Man hat es mit einem komplizierten Netz von Ähnlichkeiten zu tun, die „einander übergreifen und kreuzen“.

Wer über diese deutsche Kultur sprechen will, hat eine durchaus intellektuell anspruchsvolle Aufgabe vor sich. Ähnlich verfährt Thea Dorn mit den Begriffen  „Heimat“, „Leitkultur“ oder „Nation“. Ihr Patriotismus lebt von den  heutzutage erwartbaren  Schwierigkeiten einer mutigen, dezidierten, wie auch immer definierten Haltung, dem kritischen Denken und der Dialektik der permanenten Auseinandersetzung  mit  Kombatanten von links und rechts.

 Dabei  unterscheidet die Autorin ein „Lager der Krawallmacher“ und ein „Lager der Konsensverwalter“. Der Streit zwischen beiden verhindere „konstruktive Auseinandersetzungen“.

Zu Wort kommt auch Kurt Tucholskys:

Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ,national‘ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. … Wir sind auch noch da.“ 

Es ist ein aufrichtiges Plädoyer, die Komplexität und den Konfliktreichtum  der deutschen Kultur anzunehmen und diese Merkmale als ihr Wertvollstes zu erkennen. Wenn es denn richtig ist, dass  unsere vielbeschworene „Naturliebe, Heimweh und Fernweh und Menschheitspathos“ und vieles mehr miteinander ringen und dieses ständige Bemühen um die tiefere Erkenntnis die wahren Antriebskräfte einer deutschen Kultur waren, dann sollten sich deutsche Patrioten motiviert einmischen, kritisieren und argumentieren. Ja, auch polemisieren.

Thea Dorn – deutsch, nicht dumpf – Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten. Albrecht Knaus Verlag –  336 Seiten – ISBN 978-3-8135-0810-9