Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldt

alexander von humboldt-rüdiger schaper-siedler verlagDer Preuße

und die neuen Welten

«Die Welt bedient sich Humboldts, um sich selbst kennenzulernen».

Vor allem lernt die Welt nach 1800 durch Humboldt den südamerikanischen Kontinent in seiner ganzen Vielfalt kennen. Diesem selbstbewussten Diener nicht nur seiner Epoche kommt man in Schapers lesenswertem Buch recht nahe, wenn auch selten so, dass man den Menschen Humboldt hinter dem berühmten Universalgelehrten wirklich kennenlernen würde.

Das Buch gewährt einem von Seite zu Seite immer wieder faszinierende Einblicke in das Schreiben und Zeichnen des unermüdlichen Forschers Humboldt. Nichts konnte diesem gelehrten und an allem interessierten Menschen zu gering oder zu merkwürdig sein, wie sich etwa an der überlegenen Sorgfalt zeigt, mit der er sich dem Körperbau des Wasserschweins widmete, und zwar von den Backenzähnen bis zu den Beinen.

Das Buch zeigt den polyglotten Humboldt auch als Menschenfreund, der er durchaus war. Aber eindrucksvoller noch als überagenden Wissenschafter seiner Zeit, der eine neue Art der wissenschaftlichen Betrachtung des Menschen und überhaupt der «Phänomene des Lebens» im Zusammenhang mit der unbelebten Natur schuf, lange bevor in Europa die «Ökologie» ihren Platz im Bewusstsein der Menschen fand.

Sehr interessante und lesenswerte 284 Seiten, die uns Rüdiger Schaper hier vorlegt und die verführen, mehr über diesen universalen Menschen und Forscher Humboldt zu erfahren.

Rüdiger Schaper – Alexander von Humboldt – Der Preuße und die neuen Welten – Siedler Verlag – 284 Seiten – ISBN 978-3-8275-0074-8

 

Gustav Klimt und die Antike

Erotische Begegnungen

Klimt und die Antike – Bilder einer Ausstellung

klimt und die antike-belvedere museum wien-prestel verlag

Gustav Klimts Beziehung zu den antiken Vorbildern ist nicht so einfach zu entschlüsseln, wie es dem flüchtigen Betrachter erscheinen mag. Seine intensive Beschäftigung mit antiken Mustern und Vor-Bildern erstreckte sich über eine lange künstlerische Laufbahn. Zunächst war sie lediglich auch von Imitation und Studium der Antike geprägt, doch im Laufe der Zeit entwickelte Klimt aus den Grundprinzipien antiker Erotik eine eindrucksvolle und ganz eigenständige Bildsprache.

Die plaudernden Hetären

Zentrum dieser These ist der von Klimt illustrierte Prunkband der Hetärengespräche des Lukian.  Ein Buch von solcher Freizügigkeit, dass es heute kaum lesbar scheint – und auch Gustav Klimt geizte in seinen Darstellungen durchaus  absichtsvoll nicht mit expliziter Nacktheit. Diese  Darstellungen der Plaudereien der antiken Prostituierten und ihre zeichnerische Umsetzung durch Klimt in die Bildsprache der Moderne verweist auf die tiefgehende Auseinandersetzung des Künstlers mit der Erotik in einem Akt emanzipatorischer Aneignung und sowohl künstlerischer als auch individueller  Befreiung.

Gustav Klimt imitierte diese Vorbilder en detail und nutzte manche Elemente immer auch als Zitate in seinen eigenen Arbeiten wie der vorliegende, üppig ausgestattete Band – als Katalog zu einer Ausstellung im Belvedere Museum in Wien erschienen – in hervorragender Weise demonstrieren kann.

Kunstdetektivische Rätsel

Klimts Befreiung, Neubefragung  und Hinterfragung der antiken Prinzipien, die in all seinen Werken zum Tragen kam  mündete in einer atemberaubend neuen Ästhetik, die wiederum nicht ohne Einfluss auf Zeitgenossen blieb und die Moderne prägte. Er arbeitet immer wieder ganz demonstrativ mit der Leere als Fläche. Daraus ergibt sich für den Betrachter eine Einladung, diese Vasen anders zu sehen, nicht als Sammlung von antikenGefäßen, sondern ihre erotische Bilderwelt als inspirative Motive wahrzunehmen.

Es hat ein bisschen den Charakter einer Schatzsuche oder eines kunstdetektivischen Rätsels, wenn man Klimts künstlerischer Entwicklung innerhalb der antiken Welt auf die Spur kommen möchte – und dieses  wunderbare Buch kann die Forscherlust des Lesers immer wieder aufs Neue inspirieren und dem Kunstfreund einen Weg zu aufregend neuen Entdeckungen weisen.

Klimt und die Antike – 260 Seiten – Prestel Verlag – München