Arno Schmidt in Ahlden 1954

Arno Schmidt in Ahlden 1954

   Manches zu Arno Schmidt – Das steinerne Herz

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Das steinerne Herz und die Prinzessin von Ahlden

  Alice und Arno Schmidt fahren am  Sonntag, den 25.Juli 1954 mit der Bahn von Serrig / Saarland nach Hannover, wo  sie im Staatsarchiv bzw. Landesbibliothek angemeldet sind, um einige Staatshandbücher und Archivmaterial zu Schmidts Fouque-Biografie  und zur Prinzessin Sophie-Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle – der sogenannten „Prinzessin von Ahlden“ –  einzusehen. Die Anreise von Serrig im Saarland ist damals noch eine sehr lange und strapaziöse Bahnfahrt durch die Nacht. Alice und Arno Schmidt verlassen Serrig am Sonntagabend um 17.34 Uhr, müssen dort noch vor der Abfahrt eine gründliche Zollkontrolle über sich ergehen lassen, denn das Saarland kam erst im Jahr 1957 zur Bundesrepublik Deutschland. Die Fahrkarten für zwei Personen für die 580 Kilometer kosten 130 Mark.

Hannover erreichen sie am Montagmorgen, den 26. Juli. Es erwartet sie im frisch renovierten Bahnhof ein geöffneter Wartesaal, wo sie ein Frühstück, bestehend aus Bier und Würstchen, zu sich nehmen, bevor sie im Dauerregen mehr laufend als gehend die Landesbibliothek erreichen. Ein Schirm wird nicht angeschafft: viel zu teuer ! Der Herr Professor Schnath erwartet bereits den angemeldeten Arno Schmidt, und während er in der Landesbibliothek  Dokumente liest und Abschriften macht, erledigt Alice unten im kleinen Lesesaal die ihr von Arno aufgetragenen Abschriften. In ihrem Tagebuch von 1954 vermerkt Alice Schmidt:

 Und wir arbeiten.  Arno durchsieht ganze Aktenbündel Akten über die Prinzessin von Ahlden. Interessant.  Alles ist aufbewahrt.  Ganz interessante Stücke zeigt er mir zwischendurch mal schnell.  Ich kopiere 8 Staatshandbuchseiten  ….  Aber manchmal kommt doch die Müdigkeit stark durch. Hilft nichts.  –   Nach 14h sind wir fertig.“

Es regnet nicht mehr, also zurück zum Bahnhof. Eine Stärkung mittels Bratwurst und „schlesischer Knoblauchwurst„, die keine war. Arno Schmidt aber geht der Trubel der Stadt Hannover furchtbar auf die Nerven, zumal  gerade Sommerschlussverkauf ist:

Las uns bloß heimfahren. Ich halte mit meinen Nerven keine Großstadt mehr aus „.

Im Aktualitätenkino bringt Arno Schmidt eine Zeichentrickfilm mit dem Titel „Hawaiian Holiday“  jedoch wieder zum Schmunzeln. Um 17 Uhr besteigen sie endlich den lang erwarteten Eilzug von Hannover nach Hamburg über Walsrode und Soltau.

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Alter Holzschuppen am Haus No.31

In Schwarmstedt steigen sie in den Zug nach Verden , und Arnos Miene hellt sich auf:“ Arno ging sein ganzes Herz auf als er die sich jetzt wiedermal auftuenden weiten Wiesen und Wälder Norddeutschlands sah. Und schöne umheckte Weiden warens und schöne hohe Wälder „.

 Ahlden  liegt im Aller-LeineTal zwischen Verden  im Nordwesten und Celle im Südosten. Der kleine Ort, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1140 zurück verfolgt werden können, brannte im Dreißigjährigen Krieg vollständig ab, und auch später suchten einige verheerende Brände den Ort heim. Dennoch sind viele historische Gebäude erhalten, entweder weil sie die Brände überstanden, oder weil sie zumeist konsequent danach wieder aufgebaut wurden. Die Alte Leine, eigentlich ein alter Aller-Arm, weist auf die Versuche hin, einen Flussarm der Aller, die nach einem Hochwasser 1618 ihr Bett nach Norden verlegt hatte, durch künstliche Umleitung der Leine weiter zu nutzen. Hier  bietet die Alte Leine auch einen sehr schönen natürlichen Badeplatz. Am nordöstlichen Ufer des Gewässers findet sich eine Liegewiese mit Sandstrand. Zugang über die Leinebrücke Richtung Hodenhagen, dann  links in den  Feldweg. 10 min. Fußweg vom Ortskern.

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Schild am Haus „Thumann“ No.31

 

Heute  ist Ahlden ein Bestandteil des Aller Radwegs und auf diesem durch die Allerwiesen gut zu erreichen. Von Schwarmstedt im Süden kommend wird er im Nordwesten des Ortes auf der Trasse der stillgelegten Bahnlinie Verden-Schwarmstedt nach Rethem (Aller) weitergeführt. Auch der Leine-Heide-Radweg führt durch diesen Ort, in etwa 11 km von Schwarmstedt kommend und weiter nach Hodenhagen (2 km) und Soltau (40 km) führen. Durch Ahlden führt eine Variante des Jakobsweges, des Jakobuswegs Lüneburger Heide, auf dem Abschnitt von Hittfeld nach Mariensee.

Um 18Uhr20 am 26. Juli 1954 kommen Alice und Arno Schmidt in Ahlden an und kehren sogleich in den „Gasthof zum Bahnhof“ ein. Das Zimmer unterm Dach mit Blick über die Linden auf den Flecken Ahlden kostet pro Nacht vier Mark . Arno:  „was? 4 Mark ? Haben Sie sich auch nicht geirrt ? „
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Fachwerkgiebel in Ahlden
 „Prächtig diese Fachwerkhäuser. Was für ein hübscher Anblick bildet so eine Straße ! Giebel (mit Walmdach) meist auf die Straße zu. Hier gabs keine Misthaufen !  “  
 Bevor das Tageslicht schwindet machen Alice und Arno noch einen kleinen Spaziergang:
 „Arno sagt, er erinnere sich an diese Straße (Teerstraße) noch sehr gut denn über die wären wir, von Rethem kommend, tandemiert. Ab und zu schöne Bänke im Hain“.
  Alice und Arno Schmidt hatten bei Fallingbostel , im Mühlenhof Cordingen, fünf Jahre gewohnt, von dort aus Tandemfahrten unternommen. Schmidt plant, seinen nächsten Roman , der nach diversen Arbeitstiteln schließlich „Das steinerne Herz“ heißen wird, hier in dem kleinen norddeutschen Flecken Ahlden anzusiedeln.
„Das steinerne Herz – ein historischer Roman aus dem Jahr 1954
ist naturgemaess kein wirklicher „historscher Roman“ sondern die Geschichte  eines
 sonderbaren Sammlers alter Bücher, der sich  in Ahlden bei einem Ehepaar einquartiert, in deren Besitz er einige begehrte Folianten vermutet.
 Sein – wie auch des Autors – bevorzugtes Interesse gilt speziellen Ausgaben der „Hannoverschen Staatshandbücher„.   Der Protagonist des Romans, Walter Eggers  (alter ego ) , ist wie schon in „ Brand’s Haide“, im“ Faun“ , in  „Schwarze Spiegel“ oder auch dem später erschienenen „Kaff auch Mare Crisium“  ein unbeweibter und wohnungsloser Nachkriegsodysseus; ein   intelligenter, gebildeter und belesener Einzelgänger auf literarischer und erotischer Spurensuche.
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 Ansicht von Ahlden an der Kirche
Die verheiratete , vom Ehemann vernachlässigte  Zimmerwirtin Frieda Thumann ist naturgemäß sofort Objekt der Fantasie und Begierde und der Vollzug lässt auch nicht lange auf sich warten zumal der Ehemann, der als Fernfahrer wöchentlich mit Frischmilch von Rethem nach Westberlin auf den Straßen der Republik unterwegs ist, dortselbst im Ostteil der Stadt seine Geliebte Line unterhält.  Man arrangiert sich nonchalant in zweifach wilder Ehe. Eine für das Jahr 1954  äusserst kühne  Wohngemeinschaft. Alfred Andersch bezeichnete “ Das steinerne Herz “ als Arno Schmidts bis dahin erotisch verwegensten Roman.
Was hat die Partei auf ihre Fahnen geschrieben? „- (Karl verdutzt vorm weit geöffneten Radio); „die sexuelle Befriedigung aller Staatsbürger ?!“  („Die materielle Mensch !“) Und er enttäuscht: „Och so.“
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Schloss Ahlden
 Die ganze Handlung der Geschichte ist einfach  und kolportagehaft, der teils sarkastische Humor jedoch und die gnadenlose Kritik an den bestehenden Verhältnissen der Nachkriegsjahre unter Adenauer geben dem Roman die schmidt-typische Schärfe und Frische der frühen Erzählungen. Ganz abgesehen davon, daß Schmidt auch dieser Roman als Folie dienen muß, seine immer mal wieder proklamierte  intellektuelle  Überlegenheit schon in den ersten Zeilen auszubreiten:
 “ ( Intelligenz lähmt, schwächt, hindert ?: Ihr werd`t Euch wundern!: Scharf wie`n Terrier macht sie !! ) „
 Schmidts Ausdrucksform – wie in den „Berechnungen“ ausführlich dargelegt – ist expressionistischer  geworden  ( teils durchaus mit unfreiwillig komischen Effekten ), das „längere Gedankenspiel“  gewinnt Raum; seine exzentrische Interpunktion kann über die Länge eines Romans  jedoch auch den geneigtesten Leser ermüden.
 Arno und Alice Schmidt setzen ihre Recherche in Ahlden fort, sie spazieren am Eichenhain entlang, vorbei am alten Kriegerdenkmal, an welchem Arno Schmidt naturgemäß die Namensliste der Gefallenen sehr interessiert. Die Fachwerkgiebel faszinieren mit ihren alten Inschriften, aber vorerst geht es über die zum Wochenende stets frisch gefegten Bürgersteige direkt zum Schloss Ahlden:
 „Alles schön sauber.  Sahen uns aber zunächst noch nicht viel um sondern wollten ja zum Schloss. Und da war’s. Zum 3.x sahen wirs jetzt.“
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 Der  zweigeschossige Bau stammt aus verschiedenen Epochen. Um 1290 entstand hier eine Wasserburg. 1579 wurde der Südflügel in Fachwerkbauweise errichtet. Es folgten 1613 der Hauptflügel in Ziegelstein und Fachwerk sowie etwa um  1700 der Nordflügel des Schlosses Ahlden. Zur endgültigen Fertigstellung im 17. Jahrhundert wurden die Überreste der zerstörten nahegelegenen  sogenannten Bunkenburg genutzt.

Berühmt wurde das Schloss Ahlden als Verbannungsort der Celler Herzogstochter Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg , der Gattin des Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover (später Georg I. von England) der sogenannten „Prinzessin von Ahlden“.

Die unglückliche Ehe und die daraus resultierende Affäre mit dem schwedischen Grafen Königsmarck trugen ihr  wegen erwiesenen Ehebruchs die lebenslange Verbannung ein (von 1694 bis 1726). Dieser Ort war Schauplatz einer echten Tragödie und machte das Schloss berühmt. Danach war das Schloss Dienstwohnung der Landdrosten und ab 1788 Amtssitz und Gefängnis. Seit 1310 wurde in Ahlden Recht gesprochen. Früher im Freien, danach bis 1972 im Amtsgericht  im Schloss.
 In den Räumen des Schlosses Ahlden war 1954  noch das Amtsgericht untergebracht. Ein anwesender älterer Mann entpuppte sich als Wachtmeister Skusa, der dort im Schloss wohnte und dann und wann auch den Fremdenführer gab. Arno Schmidt kam mit ihm sofort in ein Gespräch, wusste ihm auch einiges Neues zu berichten. Der Wachtmeister führte sie in die oberen Schlossräume, wo Alice Schmidt zu ihrem hellen Entzücken sogleich  einen alten Porzellankamin und Delfter Kacheln entdeckt. Schließlich sehen sie die Wohnräume der verbannten „Prinzessin von Ahlden“ :

Dann war der Schlafraum der Prinzessin mit einem nicht besonders tiefen Alkoven in dem das Bett gestanden.  Sehr viel Platz hat sie darin nicht gehabt. …. Als einzige Erinnerung an seine Bewohnerin hing nur ein Stich, ihr Porträt, da. Eine dunkle, mit Blumen geschmückte Schönheit . – Im Nebenraum … war sie als Leiche aufgebahrt. –  So, wieder hinunter“.

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Der Morgenspaziergang führt sie naturgemäss sofort wieder zum Schloß Ahlden , wo sie auch den Amtmann wiedersehen, der ihnen noch einige alte Bäume an der alten Leine zeigt. Sie „knipsen“ das Schloß von allen Seiten  bevor sie zum Mittagessen in den Gasthof zurückkehren. Es erwartet sie dort ein üppiges Mittagsmahl, bestehend aus Koteletts, neuen Kartoffeln und Blumenkohl, in den kleine Fleischbällchen hineingesteckt sind:

“ Sah frappant aus und schmeckte auch gut. Salat noch……ein Ortsansässiger erzählt, könne sich erinnern, wie in seiner Jugend noch Leute im Ort gewesen wären, die Sachen v. der Prinzessin gehabt hätten  „.

Sie gehen nochmals durch den Flecken Ahlden: Arno Schmidt nummeriert auf einer von ihm selbst gezeichneten Kartenskizze des Ortes alle Häuser durch, Alice notiert zu jedem Haus die ihr von Arno diktierten  Beschreibungen und Anmerkungen. Das alte Wappen der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg  Celle von 1613 an der Schloßfassade wird abgelichtet sowie auch das Schloß von der alten Leineseite aus fotografiert.

 

Das Wappen der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg  1613  an der Schloßfassade

Weiter gehts vorbei am Drogisten, an der Sparkasse „( mit dem hübschen alten Holzbalkönchen)“. Im kleinen Eisladen, einem netten Lokälchen, setzen sie sich und essen jeder einen Becher Eis: “ Donnerwetter, das schmeckt aber gut ! “

Vom Eisverkäufer, einem Flüchtling aus Ostpreußen müssen sie erfahren, daß ihm zum Jahresende die Pacht gekündigt wurde; er muß künftig anderenorts  sein Glück suchen. Überhaupt treffen sie auf mancherlei entwurzelte und zerrissene Nachkriegsexistenzen in dem kleinen Flecken am Rande der Heide. Ein siebenjähriger Junge aus der Familie der Gasthausbetreiber starb vor einer Woche  an einer Blutvergiftung nachdem er sich bei einem Sturz eine leichte Knieverletzung zugezogen hatte. Die Stimmung ist gedrückt.

Der Rundgang durchs Dorf wird fortgesetzt, die Route durch Ahlden wird von Alice Schmidt in ihrem Tagebuch sehr ausführlich geschildert. Es gibt ja mittlerweile auch websites, auf denen jeder einzelne Schritt des Dichters akribisch vermerkt ist ! Notizen werden dabei  von Alice Schmidt, teils nach Diktat, eifrig gemacht sofern es ein stellenweise  niedergehender Regen erlaubt; es wird eifrig geknipst. Das komische, turmartige Spritzenhaus, in dem die Schläuche zum Trocknen hängen, die Kirche. Das Kaufhaus Wilhelm Gellermann hat eine hübsche  Dekoration zum Schlußverkauf in dem Fenster, was Alice eine ausführliche Anmerkung wert ist.. Dann geht es rechts hinüber zum Büchtener Holz und zurück, schräg gegenüber sehen sie die „Bunkenburg“.

verwirrende Sagen der Einwohner: dort hätte das Schloß eines Raubritters gestanden Arno hält das für strategischen Wahnsinn“.

Nun gilt es noch, für den neuen Roman  „Das steinerne Herz“ das Haus des Romanhelden Walter Eggers auszusuchen. Sie einigen sich auf ein eher unscheinbares Haus  Nr. 31 am Ende einer Straße mit weitem Blick über Wiesen, Viehweiden und umheckte Felder und einem Hof dahinter, Arno Schmidt gefällt der Ort sofort. Und daneben so eine lange, schwarze Holzscheune.

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Und bunte Kühe stehen auch herum, und in manchen Weiden auch Pferde. Alles wird fotografiert, insgesamt drei Filme sind nun voll geworden und werden in einem Karton nachhaus geschickt; sie wollen  diese wichtigen Dokumente vorsichtshalber nicht nach Ostberlin, in die damals  sogenannte „sowjetische Besatzungszone“, mitnehmen.

„Wenns verloren geht, war die ganze Reise umsonst“.

Arno Schmidt und die internationale Moderne von Friedhelm Rathjen lesen Sie hier

Prinzessin von Ahlden – erster Sophie-Dorothea-Tag 2018

Zum Frühlingsanfang:

„Ein vortreffliches Frauenzimmer“

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Renate du Vinage über  Eleonore Desmier d’Olbreuse und ihre Tochter Sophie-Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle, die Prinzessin von Ahlden

Nun ist diese umfangreiche Biographie der Mutter der „Prinzessin von Ahlden“ seit einigen Jahren in zweiter Auflage erschienen und der erste „Sophie-Dorothea-Tag“ in Ahlden und Eilte am 15. September 2018 ist ein durchaus geeigneter Anlaß, dieses Buch noch einmal vorzustellen. Nicht nur für die LeserInnen aus der Region des damaligen Herzogtums Celle ist es eine sehr lesenswerte Reise in die Epoche zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Beginn der Aufklärung, und es ist darüberhinaus die spannende Geschichte des Aufbegehrens einer jungen Prinzessin gegen die Staatsräson einer absoluten Herrscherfamilie.

Die junge Prinzessin Sophie-Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle, Tochter der Eleonore Desmiers d’Olbreuse , der „Großmutter Europas“, wurde gegen ihren  Willen mit ihrem Cousin, dem Erbprinzen von Hannover und seit 1714 König Georg I. von Großbritannien, verheiratet. Die dramatische und unheilvolle Flucht aus dieser unglücklichen Ehe in die Arme des schwedischen Offiziers Königsmarck endet eines Nachts mit der Ermordung des Schweden im Leineschloß und ihrer Verbannung auf das Schloss in Ahlden an der Aller. Die „Königsmarck-Affaire“ war seinerzeit , zur Betrübnis des Hauses Hannover, ein an den Höfen Europas vielbeachteter Skandal; die romantische Legende umweht bis heute die sogenannte „Prinzessin von Ahlden“.

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Renate du Vinage – Ein vortreffliches Frauenzimmer ist erschienen im Meissners Verlag – 470 Seiten – ISBN: 978-387527-117-3

Bücher 2018

 

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Bilder aus Bargfeld

Arno Schmidt – Eine Bildbiographie

 Mit 455 Seiten im Format 22 x 30 cm kein ganz so großer Brocken wie Zettels Traum: Für diese erste mehr als umfangreiche Bildbiographie über den Dichter aus der Osthaide, Arno Schmidt, haben die Herausgeber in den Archiven geforscht und vieles Neues, Unbekanntes und Erstaunliches zutage gefördert: Fotografien, Zeichnungen, auch Dokumente jeglicher Art, diverse  Manuskripte, Notizen und Briefe, Alltägliches und Kurioses. Ergänzt wird das ganze Material durch Texte aus Arno Schmidts Werk, Notizen aus den Tagebüchern von sowie Kommentare von Kollegen und Freunden.
Halbleinen, 460 Seiten
ISBN: 978-3-518-80400-1

» … herrlich gestaltet vom großen Typografen und Schmidtianer Friedrich Forssman und mit lauter Fundsachen.«   DIE ZEIT

 

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Montaigne – Essays

Drei Bände Kapital stabilisieren das Regal ! hieß  es in unseren Studentenjahren. Dieser in jeder Hinsicht große Montaigne aus der Anderen Bibliothek tuts auch; wenns noch wackelt stellen Sie doch einfach den Arno Schmidt dazu.

Montaigne spricht zu uns, als wäre er der erste Mensch , der über die Welt, wie er sie erlebt, nachdenkt. Er kannte  Autoritäten seiner Zeit, doch er hielt sich nicht an sie. Eine aufrichtige, beharrliche Unbeirrbarkeit zeichnet diesen Schriftsteller aus, ein erfischender Eigensinn. Seine individuelle Freiheit des Geistes  und Denkens ist keine metaphysische Größe, sondern ein Gut, das er sich durch seinen beständigen  und unerschütterlichen Mut und seine Beharrlichkeit selbst erworben hat.

 Montaignes berühmte Essais liegen hier, übersetzt von Hans Stilett, vollständig vor, herausgegeben in einer bibliopilen Sonderausgabe von Hans Magnus Enzensbergers Anderen Biblothek .

 »Daß ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden«,

schrieb Friedrich Nietzsche über den französischen Philosophen Michel de Montaigne.  Auch Thomas Bernhard mochte ohne den großen Montaigne nicht leben.

Montaigne – Essays – erschienen in der „Anderen Bibliothek“.

 

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Michael Degen – Der traurige Prinz

Roman einer wahren Begegnung 

Ein deutscher Schauspieler kommt nach einem Gastspiel-Auftritt mit einem Mann ins Gespräch. Staunend erkennt er die unverwechselbare Stimme : Es ist der berühmte Oskar Werner, Theatergott und oscarnominierter Filmstar. In dieser Nacht erzählt Werner sein Leben: ein Wiener Bub aus armen Verhältnissen, der früh an der «Burg» spielte, der gegen die Nazis opponierte, desertierte und knapp dem Tod entkam. Werner liegt nicht nur die Film- und Theaterwelt zu Füßen, er arbeitet mit Richard Burton, François Truffaut. Dann aber lehnt er Angebote etwa von Stanley Kubrick ab. Es sind die tiefen Zweifel an seinem Leben, seiner geliebten Kunst, die ihn hoffnungslos in den Alkohol und Tod treiben.

Den jüngeren Kollegen wird diese Nacht verändern – er blickt in den Abgrund einer zerrissenen  Seele, erkennt die Schattenseiten des Ruhms. Michael Degen ist Oskar Werner («Jules und Jim», «Das Narrenschiff» „Der Spion der aus der Kälte kam“  u.a.) wirklich begegnet. Atemlos  erzählt er von jener Nacht in Vaduz 1983 , schildert Werners Leben, das durch finstere Zeiten, über Erfolg  und Triumph in die Selbstzerstörung führte. Und Michael Degen berichtet von anderen prägenden Erlebnissen, mit Gustaf Gründgens oder Ingmar Bergman. Fast eine Autobiographie – das persönlichste Buch des Schauspielers und Autors.

Erschienen bei Rowohlt – ISBN978-3-87134-768-9

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Warte nicht auf bessre Zeiten

Selten sind persönliches Schicksal und deutsche Geschichte so eng verwoben wie bei Wolf Biermann. Ein Leben zwischen West und Ost, ein Widerspruchsgeist zwischen allen Fronten. Mit sechzehn ging er in die DDR, die er für das bessere Deutschland hielt. Hanns Eisler ermutigte ihn, Lieder zu schreiben, bei Helene Weigel assistierte er am Berliner Ensemble. Dann fiel er in Ungnade, erhielt Auftritts- und Publikationsverbot. Die Stasi observierte ihn rund um die Uhr, während er im Westen gefeiert und geehrt wurde. Die Proteste gegen seine Ausbürgerung 1976 gelten als Anfang vom Ende der DDR.

Eindringlich erzählt Biermann vom Vater, der als Jude und Kommunist in Auschwitz ermordet wurde, von der Mutter, die ihn aus dem Hamburger Bombeninferno rettete, vom väterlichen Freund Robert Havemann, mit dem er das Los des Geächteten teilte. Er führt uns in die absurde Welt der DDR-Diktatur mit ihren Auswüchsen, aber auch ihren täglichen Dramen menschlicher Widerständigkeit. Und er erzählt von seinen in den Westen geschmuggelten, im Osten heimlich kursierenden Liedern, deren »Verskunst, robuste Rhetorik und gewaltige Sprachkraft« Marcel Reich-Ranicki lobte. Bei aller Heftigkeit des Erlebten lesen sich Biermanns Erinnerungen wie ein Schelmenroman in bester schweijkscher Manier. Ein einzigartiges Zeitzeugnis.

Biographie/Autobiographie –576 Seiten – ISBN-13 9783549074732

The last bookstore

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Was er uns hinterlassen hat:

Stephen Hawking – Eine kurze Geschichte der Zeit

Das Buch, das unsere Weltsicht verändert hat

Woher kommen wir? Warum ist das Universum so, wie es ist? Dieses Buch hat unsere Weltsicht verändert – und zugleich setzte es neue Maßstäbe für die Darstellung komplexer physikalischer Zusammenhänge. Stephen Hawkings ‚Eine kurze Geschichte der Zeit‘ hat das Wissen über die Entstehung des Universums, Schwarze Löcher, das Wesen der Zeit und die Suche nach der Weltformel in der Physik und Kosmologie populär gemacht wie kein anderes. Das Credo eines Jahrhundert-Genies. –

Erschienen als Taschenbuch bei Rowohlt rororo.

 

Music from Big Pink von John Niven-buch-schriftsaetzer-wordpress-blog-rockmusik-bob daylan-the band-woodstock

John Niven – Music from Big Pink

Big Pink wurde 1966 in Woodstock das Holzhaus genannt, in dem Bob Dylan und The Band ihre legendären Live-Aufnahmen im Keller einspielten. Die von Drogen und Alkoholgenuß gezeichneten und durchaus beflügelten  „Basement Tapes“. Erst spät wurden sie offiziell veröffentlicht, als der US-Markt schon von unzähligen bootleg-Versionen überschwemmt war. Inzwischen liegt eine erweiterte Ausgabe auf CD vor . Zu  den dargebotenen Stücken kann man durchaus geteilter Meinung sein wie auch zu der dröhnenden Klangqualität kahler Betonwände. Eines ist gewiss; die Stimmung in Big Pink war bombig, hier dröhnten nicht nut die Wände.

John Niven beschreibt die Szenerie im Woodstock der wilden 60er , angefüllt auch mit fiktionären Szenen und Gesprächen – das alles mit der Phantasie eines Drogenkuriers jener Tage , er begnügt sich nicht nur mit den vorgefundenen Fakten:

„Man kommt in all die Backstageräume, die Limos, die Privatjets – man hat überall und jederzeit Zugang. Ich fragte mich, ob ich so eine Figur wohl mit einer realen Rockband kombinieren und die Geschichte mit dem Entstehen eines Rock-Klassikers verflechten könne“,

schreibt der Autor. Und man darf sagen: ja, das konnte er sehr gut. Kris Kristofferson singt: „He’s a walking contradiction, partly truth and partly fiction“. Die Dialektik von Faction  und Fiction ist  immer spannend, weil  der große Zampano Bob Dylan seit jeher  ein Meister des Verschleierns und Vernebelns und Lügens war. Dass er fromm und fröhlich jederzeit das Blaue vom Himmel herunter log, wenn es um seine eigene Biografie ging, ist erwiesen. Bizarr, dass kürzlich ein Redakteur des „New Yorker“ seinen Hut nehmen musste, weil er mit getürkten Dylan-Zitaten arbeitete. Daß das Buch von John Niven so falsch nicht sein kann, belegt ein Gruß von Band-Sänger Robbie Robertson, der dem Autor ausrichten ließ, dass ihm das Buch viel Spaß gemacht habe, und fragte:  „Ist der Typ etwa dabei gewesen?“

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Wenn Sie die gleichnamige Schallplatte aus Woodstock – die 1968 erschienene, erste LP der Dylan-Kumpels „TheBand“  – noch nicht kennen, um so besser. Sie können sie jetzte zusammen mit dem Buch entdecken ! Es ist nie zu spät eine schöne Jugend zu haben.

John Niven – „Music from Big Pink“  erschienen  als Taschenbuch im Heyne Verlag.

 

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Neil Young – Special deLuxe

Der Ausnahmemusiker  Neil Young und seine zweite große Leidenschaft: Nach seinem unkonventionellen autobiographischen Buch »Ein Hippie-Traum« präsentiert Neil Young in »Special Deluxe« nun im Spiegel seiner unzähligen Traumautos weitere sehr persönliche, warmherzige und humorvolle Geschichten aus seinem Leben. In seinen musikalischen Anfängen fuhr er mit seinen Lieblingsschlitten von Gig zu Gig. Wenn er sich die Reparatur nicht leisten konnte, ließ er sie auch schon einmal am Straßenrand stehen – und fragt sich bis heute, was aus ihnen geworden ist. Mit dem Erfolg kamen die Sammelleidenschaft und ein Fuhrpark beträchtlichen Ausmaßes: Das Leben des großen Musikers Neil Young ist nicht zuletzt ein Leben mit wunderschönen, vor Chrom glänzenden Oldtimern. Und so nimmt er seine Fans erneut mit auf die Fahrten seines Lebens, erzählt von Familienausflügen mit seinen Eltern, von seinen ersten Konzerttouren mit »Mort«, seinem geliebten Bestattungswagen, vom Rock`n`Roll-Leben, von Spritztouren mit seinen Kindern, vom Entdeckerglück des Sammlers, von seinem Engagement für die Verbreitung umweltfreundlicher Fahrzeuge – und entpuppt sich nicht zuletzt als großartiger Zeichner seiner Lieblinge auf Rädern.

»Special Deluxe« liest sich, als säße man auf dem Beifahrersitz neben einem vergnügt plaudernden Neil Young und führe mit ihm in einem seiner Oldtimer durch sein Leben. Ein herrliches Geschenk für alle Fans von Neil Young. Und das ultimative Geschenkbuch für alle Männer, die das Kind in sich bewahrt haben.

Kiepenheuer&Witsch
Titel der Originalausgabe: Special Deluxe. A Memoir of Life and Cars
Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Kellner und Guntrud Argo
ISBN: 978-3-462-04757-8
416 Seiten, gebunden mit SU – Mit ca. 50 Farbzeichnungen des Autors

 

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Und das Sie gerade hier sind:  zum Nach- und Neulesen  die ultimative Witzigkeit  der Siebzigerjahre:

Eckhard Henscheid – Geht in Ordnung – sowieso —   genau —

Ein Tripelroman über zwei Schwestern, den ANO-Teppichladen und den Heimgang des Alfred Leobold“

Der erste Band der berühmten „Trilogie des laufenden Schwachsinns“

Henscheid wählt wieder die Ich-Form. „Moppel“, ein  gut situierter Jung-Rentner, langweilt sich in dem kleinen Kaff Seelburg. Seine erotischen Ambitionen mit zwei Schwestern verfolgt er eher halbherzig und schon bald ist er viel mehr an den Geschehnissen im ANO-Teppichladen interessiert, den Alfred Leobold und sein Mitarbeiter Hans Duschke (ein greiser Treibauf, ständig auf der Jagd nach „Büchsen“) zu einer Kneipe umfunktionieren, in der rauschende Feste gefeiert werden.

Es sind absolut bizarre Gestalten, die da im Teppichladen herumsaufen und herumrandalieren und zwischendurch die wenigen Kunden, die dort aufschlagen mit frechen Komplimenten oder unverhüllten Drohungen wieder hinauskomplimentieren.  Keine Störung wird geduldet  wenn es darum geht den letzten Sechsämtertropfen des Tages zu vernichten.

Allesamt schrägste Figuren, die durch ihre liebevolle Zeichnung faszinieren. Primus inter pares ist Alfred Leobold, der seinen Abgang aus dem ANO-Teppichladen mit grandioser Würde und wahrhaft stilvoll inszeniert. Leobold weiß zu begeistern, so dass das Traurige an der Geschichte, das langsame Sterben eines Alkoholikers, in den Hintergrund rückt. Der Herr der Teppiche und des Kühlschranks  ( Sekt und Sechsämter müssen gekühlt genossen werden !) hat stets alles im Griff und als souveräner Herrscher des alltäglichen Schwachsinns schmiedet er, ungeachtet seiner arg  angegriffenen Gesundheit, noch  jede Menge kühnster  Pläne. So wie hier:

“ Sabine und Alfred Leobold in Afrika! Immer noch fiel ich aus allen Wolken auf die regnerische Stadt Seelburg hinaus. So hatte es ja kommen müssen! Aber dieser Leobold würde vor lauter Schwäche ja nicht einmal bis zum Brennerpaß kommen, und Sabine hatte keinen Führerschein, fiel es mir in diesem Moment überraschend zu! … Die Vorstellung Alfred Leobolds im Kongo, das Lebenswerk Albert Schweitzers besichtigend und mit etlichen „Geht in Ordnung“ und „genau“ lobend und dann alle umstehenden 85 Neger zu einem Sechsämter einladend, machte mich, mitten auf der Straße, hemmungslos lachen.“

Wer das Buch nicht kennt, hat nicht gelebt ! Sowieso ! Genau !

Erschienen im Zweitausendeins-Verlag

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Der sowieso genaueste Beobachter seiner Zeit:  Eckhard Henscheid

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Und da Sie gerade dabei sind: dieser etwas näher dem Heutigen, Jetzigen zugewandte Henscheid gehört unbedingt in Ihre Hausapotheke.

„Über Manches“  von Eckhard Henscheid  erfreut mit  Satire, Erzählungen, Henscheidesken und echten Brüllern

Erschienen im Haffmans-Verlag

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Arno Schmidt zum (preiswerten ) Vergnügen

Bonmots, Zitate und typisch Schmidtsche Lebensweisheiten:

“ Das Verläßlichste sind Naturschönheiten. Dann Bücher; dann Braten mit Sauerkraut. Alles andere wechselt und gaukelt.“

Erschienen bei Reclam

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Die Arno-Schmidt-Anziehpuppe

Herr Schmidt läßt sich wahlweise mit einer Wildlederjacke mit Fellkragen oder der berühmten grünen Lederjacke (mit Fernglas) ausstatten. Dazu gibt es natürlich eine Katze sowie die Yashica 44 (nicht ganz maßstabsgetreu) zum Umhängen.

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Und das Arno-Schmidt-Haus als Bastelbogen !

Was es nicht alles gibt.

 

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Thomas Bernhard – Meine Preise

Thomas Bernhards zorniger Blick , nicht nur auf den Literaturbetrieb. Zu seinem 20. Todestag erstmalig publiziert, liegt der Bestseller jetzt auch als Taschenbuch vor.
Auf die gesamte Menschheit schimpfend und über sich selbst den Kopf schüttelnd, entwirft Thomas Bernhard ein Selbstporträt des Autors als Preis- und Preisgeldempfänger. In zorniger Rückschau zieht er darin eine Bilanz der ihm verliehenen Literaturpreise. Der erstaunte Leser erlebt hier einen Thomas Bernhar, wie er ihn so noch nicht gehört hatte.

Der Kollege Maxim Biller veröffentlichte 2009 eine Rezension mit dem schönen Titel: „Die  Lüge namens Bernhard“, in welcher er „Meine Preise“ als das beste Bernhard-Buch bezeichnete. Nun war leider diese ganze Rezension so hasserfüllt und unsachlich, daß man darüber die Decke der Barmherzigkeit breiten muss. Aber dieses Buch als Bernhards „bestes“ zu bezeichnen ist wirklich nur entsetzlich dumm; und die Art und Weise wie Biller hier über den Schreibstil von Thomas Bernhard herzieht zeigt uns eigentlich nur, daß er von der Literaturkunst des Autors nichts, aber auch gar nichts verstanden hat. Ja, man ist sogar versucht zu sagen – horribile dictus –  daß er Bernhard seinen übergroßen Erfolg neidet. Es klingt nämlich leider ganz genau so ! Und wenn er gar den verstorbenen großen  Österreicher Thomas Bernhard „ein Arschloch“ nennt, dann doch auch nur um mit diesem Kraftwort noch einmal ein wenig von sich reden zu machen… sonst hätte diesen Text eh niemand bemerkt, geschweige denn gelesen. ( leider veröffentlicht in der FAZ ) . Wie immer ist der Bernhardsche Blick auf die Welt und den Literaturbetrieb gnadenlos. Er teilt nach allen Seiten aus ohne sich selbst auszunehmen oder gar zu schonen.

Man lese einen Ausschnitt Bernhards Ansprache zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises:

Die Zeitalter sind schwachsinnig, das Dämonische in uns ein immerwährender vaterländischer Kerker, in dem die Elemente der Dummheit und der Rücksichtslosigkeit zur täglichen Notdurft geworden sind. (…) Wir sind Österreicher, wir sind apathisch; wir sind das Leben als das gemeine Desinteresse am Leben, wir sind in dem Prozeß der Natur der Größenwahn-Sinn als Zukunft.“

Detailliert schildert Thomas Bernhard, der auch  begnadete Komiker , die Tragödien, zu denen sich die Überreichungen  entwickelten – egal, ob Bremer Literaturpreis, Grillparzer- oder Georg-Büchner-Preis. Thomas Bernhard hadert mit der Welt im allgemeinen, dem Kulturbetrieb im besonderen und ganz speziell mit sich selbst mittendrin. Und er übertreibt naturgemäß, daß sich die Balken biegen.

Bei Hoffmann & Campe  in Hamburg gibt es keine Preisverleihung. „Hier ist der Scheck“, sagte der Vertreter des Verlages und lud Thoma Bernhard zu einem vorzüglichen Mittagessen ein. Der fuhr mit dem Scheck nach Wien und kaufte sich davon sein erstes Auto, ein schneeweisses Triumph Herald Cabriolet, direkt aus dem Schaufenster.
suhrkamp taschenbuch 4186, Taschenbuch, 142 Seiten
ISBN: 978-3-518-46186-0

 

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Ferdinand von Schirach – Strafe

Wie wurden wir, wer wir sind?

Ferdinand von Schirach beschreibt in seinem neuen Buch „Strafe“ zwölf Schicksale. Wie schon in den beiden Bänden „Verbrechen“ und „Schuld“ zeigt er, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von „gut“ und „böse“ oft sind.  In ruhiger, distanzierter Gelassenheit und zugleich voller Empathie erzählt er von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern.

»Zwölf Texte – wieder aus der Welt der Justiz, schonungslos, präzise dann wieder zutiefst menschlich.«
 ISBN: 978-3-630-87538-5 – Erschienen:  05.03.2018 –

 

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Als Deutschland noch nicht Deutschland war

Wer mit Bruno Preisendörfer als Zeitreisender unterwegs ist, erlebt noch viel mehr: Er steht z. B. am 7. 11. 1775 morgens um fünf in Weimar vor dem Haus eines Kammergerichtspräsidenten namens von Kalb und sieht zu, wie Goethes Kutsche über das Pflaster rollt. Er besucht eine philanthropische Reformschule oder wird zwischen die Bauernkinder in die Bänke einer Dorfschule gesteckt. Er geht an die Universität, um Kant und Fichte zu hören, Verständnisschwierigkeiten müssen ihm nicht peinlich sein, es ging den Zeitgenossen ebenso. Aber der Zeitreisende lernt nicht nur den philosophischen Zeitgeist kennen, sondern erlebt auch handfeste Abenteuer, übersteht mit dem jungen Eichendorff einen Schiffsunfall auf der Oder, sieht aus E.T.A. Hoffmanns Eckfenster am Gendarmenmarkt Berlin brennen, oder ist bei Georg Lichtenberg in Göttingen, als der durchs Fernglas der Beerdigung von Gottfried August Bürger zusieht. Man schaut genau hin und wundert sich nicht selten – auch über banalste Alltäglichkeiten.

Erschienen bei Galiani-Berlin – ISBN: 978-3-86971-110-2 –

 

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Philipp Blom – Böse Philosophen

Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung
Die Suche nach einer wirklich menschlichen Gesellschaft

Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Revolution: Im Salon des Barons d‘Holbach treffen sich regelmäßig die besten Köpfe Europas. Denis Diderot, David Hume, Laurence Sterne, Jean-Jacques Rousseau und viele andere Denker des 18. Jahrhunderts streiten um eine zeitgemäße Philosophie, die die Religion hinter sich lässt und allein auf die Kraft des Verstandes setzt, aber auch den Leidenschaften angemessenen Platz einräumt. Die Geschichte und Geschichten der „Encyklopädisten“ neu und spannend erzählt.

Jetzt auch bei DTV als Taschenbuch erschienen.