Das Leben der Lucia Joyce

Ein neuer Roman über Lucia Joyce:

Das Schicksal der Tochter von James Joyce – pure Fiktion ?

james joyce Familie 1924 in Paris-

 

1924 in Paris: James Joyce, seine Frau Nora und seine Kinder Lucia und George.

 

„Sein Buch“,

heißt es in der Vorbemerkung zu Alex Phebys drittem Roman,

„ist als Kunstwerk gedacht. Namen, Charaktere, Unternehmen, Orte und Ereignisse sind entweder das Produkt der Phantasie des Autors oder werden künstlerisch genutzt. Jegliche Darstellungen tatsächlicher Personen sind entweder zufällig oder wurden für künstlerische Wirkung verändert. „

Die Lucia aus Phebys Buch ist Lucia Joyce. Sie ist eine Tänzerin, Insassin einer Anstalt in Northampton, Schwester von George, Nichte von Stanislav, Tochter von James und Nora, Liebhaber von Künstlern … 
Die echte Lucia Joyce wurde 1907 in Triest geboren und wurde professionelle Tänzerin. Sie war die Geliebte der Künstler Alexander Calder und Albert Hubbell. Sie starb 1982, nachdem sie den größten Teil ihres Erwachsenenlebens in psychiatrischer Behandlung verbracht hatte, und mehr als 30 Jahre im St. Andrew’s Hospital in Northampton.
Pheby ist nicht der erste Schriftsteller, der von Lucia angezogen wurde. Ihr Leben war Gegenstand einer Reihe von Romanen, Theaterstücken, wissenschaftlichen Studien – und viel Spekulation. Was war die genaue Natur ihrer Geisteskrankheit, wenn überhaupt? Gab es Missbrauch? Inzest? Wessen Schuld war es, dass sie so lange eingesperrt und so schlecht behandelt wurde?Die vorläufigen Anmerkungen zu Phebys Buch legen nahe, dass Antworten auf diese Fragen weiterhin  umstritten bleiben werden. Einige Namen und andere Details wurden geändert, und in einem Kapitel wurde ein Name vollständig redigiert – ob aufgrund einer Klage, als Vorsichtsmaßnahme oder als Auflage einer Lizenz ist, ist nicht ganz klar.

"Wir sehen Spuren ihres Lebens, das von einem namenlosen Joyce-Nachkommen entsetzlich ausgelöscht wird."  Lucia 1929.
 „Wir sehen Spuren ihres Lebens, das von einem namenlosen Joyce-Nachkommen entsetzlich ausgelöscht wird.“  Lucia Joyce als Tänzerin im Jahre 1929. 

 

Alex Pheby ist ein Schriftsteller, der eine ungewöhnliche, ja außerordentliche literarische Kraft besitzt. Seine Lucia ist die vollendete Darstellung eines beunruhigten und beunruhigenden Lebens. Am bedeutendsten  ist vielleicht, dass er sich nicht um die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Aneignung und Ausbeutung kümmert, die er in dem Buch gegenüber anderen Personen ausübt. Die Kapitel über Lucia sind durch kurze, scheinbar unzusammenhängende Zwischenspiele über die Öffnung eines pharaonischen Grabes verbunden, die eindeutig als Kommentar zu Phebys eigenen Verfahren der literarischen Arbeit, seiner Mixtur aus Recherche und Fiktion  gedacht sind. Partly truth and partly fiction.

Ist er mehr als ein weiterer Grabräuber und Plünderer?

Das Buch konzentriert sich auf die Demütigungen und Verletzungen, die auf Lucias Körper ausgeübt werden – als Tänzerin, Geliebte, Patientin, Frau und als Thema für andere Autoren.

Der Leser begegnet ihr zuerst „bereit für die Box“, als eine Leiche im Northampton Asyl,

durchscheinend und matt, tot in der Berührung, biegsam und unelastisch, völlig ohne jede Substanz“. 

Dann sehen wir Spuren ihres Lebens, die von einem namenlosen Joyce-Nachkommen auf eine entsetzliche Art und Weise ausgelöscht werden – Tausende von Briefen werden verbrannt, die Asche “ verschmiert“ – bevor Pheby die übrig gebliebenen Fragmente dessen zusammenfügt, was während ihres Lebens geschehen ist oder auch nicht. Wütend und oft verstörend detailliert, mit Berichten von Behandlungen, die Rinderserum und kalte Bäder verwenden.

Phebys Rechtfertigung, Missbrauchsszenen zu erfinden und zu imaginieren, ist  einfach:

Alles, was möglich gewesen wäre, ist in Anbetracht all der zerstörten Beweise, die dieses als falsch erweisen könnten, also heute ebenso gültig und korrekt.“

Da alles möglich gewesen wäre, ist auch alles erlaubt? Das war naturgemäss genau das Problem für Lucia bei den Joyces und ihren Mitarbeitern.

Zu James Joyce:

Sagen wir, er sitzt im Wohnzimmer und da ist der richtige Gegenstand seiner Zuneigung – seine Frau, Nora – und er wird von ihr erregt, aber dann geht sie, während er die Zeitung liest, und du, Lucia , ersetze sie auf ihrem Stuhl. Als er das Papier hinlegt, sieht er dich in seiner Erregung. Ist es ein Wunder, dass seine Erregung in der verschwommenen Welt, in der er lebt, wenn er seine Lesebrille auf der Nase  hat statt seiner normalen Brille , auf dich übertragen wird? „

Zu Stanislav Joyce:

„Versteht auch, dass der Bruder eines Mannes oft ein unausgesprochenes Verlangen nach der Frau seines Bruders hat, und was könnte natürlicher sein? […] in dem Bewusstsein, dass ein Bruder niemals zwischen seinen Bruder und seine Frau kommen kann … vielleicht aber an das Mädchen? „

Alle Joyces kommen in diesem fiktionalen Text schlecht weg; ebenso kommt Samuel Beckett schlecht weg; ebenso  Calder, Hubbell, die Ärzte und Begleiter im Asyl; und alle Schriftsteller und Leser, die in diesem Kielwasser (wake) gefolgt sind.

Gaffende, wächserne Idioten, die sich an deinem Körper vorbeischleppen, weil sie denken, dass es das Richtige ist […] Sie schauen durch Glas, ihr Verlangen einen Blick ins Jenseits zu werfen, so lüstern und formlos in die Fenster starrend einen Blick auf den Tod eines anderen zu werfen, irgendwie zu verstehen, was sie sind. „

Mit wachem Verstand zu lesen.

  Alex Pheby – Lucia – Galley Beggar Press London . 

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Quelle: the guardian  Fotos: ap

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Auszug aus einer Rezension der IRISH TIMES:

Im Jahr 1934 nahm Lucia Joyce auf einer Party zur Feier des 50. Geburtstages ihres Vaters James einen Stuhl und warf ihn auf ihre Mutter. Ihr Bruder Giorgio begleitete sie anschließend in das Sanatorium von Dr. Otto Forel in Nyon, Schweiz, und Lucia verbrachte das verbleibende halbe Jahrhundert ihres Lebens in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen.

Auf dem Internationalen James Joyce Symposium sorgte Lucias Neffe Stephen Joyce 1988 für einen Schock, als er verkündete, er habe alle seine Briefe von Lucia Joyce zerstört und auf Becketts Bitte  auch die Korrespondenz zwischen Lucia und Samuel Beckett komplett zerstört. Stephen Joyce, der am Ende der Familie steht und der auch der Testamentsvollstrecker des Joyce-Estate ist, pflegt einen strengen „Datenschutz“ bezüglich der Familienpapiere. Akademikern, die versucht haben, etwas über die Joyce-Familie zu veröffentlichen, wurden ständig  mit Gerichtsverfahren überzogen.

Als begnadete Tänzerin in der Pariser Boheme der 1920er Jahre ist Lucia wie geschaffen für die passende  Mythologisierung, besonders für sensationslüsterne Journalisten. Gründe gibt es genug: wegen ihrer psychischen Gesundheit, es gibt  Gerüchte über Inzest und lesbische Beziehungen und weiteres.

Der unglaubliche, ja verstörende Akt des Verbrennens sämtlicher Briefe von James Joyces Tochter  Lucia Joyce , der eine wirksame Plattform für Spekulationen aller Art  eröffnet hat, hat alldem nur einen weiteren, aufsehenerregenden Vorfall, ja Skandal hinzugefügt.

In den letzten 15 Jahren war sie daher mehrmals das Thema zahlreicher Romane, darunter Alan Moores Jerusalem (2016) und Annabel Abbs ‚ The Joyce Girl (2016); eine Graphic Novel, Mary und Bryan Talbot’s Dotter von Her Father’s Eyes (2012); eine Biographie, Carol Loeb Shloss Lucia Joyce: Dancing in the wake (2003) und weitere.

Der Roman selbst beginnt mit Lucias Beerdigung in Northampton im Jahr 1982 und lebt mit einem beunruhigenden Blick auf ihren Körper

Lucia, am Bloomsday 2018 erschienen, behandelt Lucia Joyce mit einem ungewöhnlichen Aufwand an kritischer  Recherche  und Empathie und setzt damit nicht nur den Maßstab für  eine intellektuell kompromisslose fiktionale Biographie, sondern auch für ein rigoros fragendes narratives Experiment. Phebys zweiter Roman “ Playthings“ , herausgegeben von Galley Beggar, konzentrierte sich ebenfalls auf einen wahren Fall, diesmal von Daniel Paul Schreber, einem deutschen Richter aus dem 19. Jahrhundert, der von einem plötzlichen Beginn paranoider Schizophrenie im mittleren Alter betroffen war. In Lucia hat seine Auseinandersetzung mit einer so kontroversen Geschichte und einem so kontroversen Fall männlicher Aneignung zu einem  faszinierenden Buch geführt.

Lucia untersucht auch den Streit übder das Erbe der Joyce Familie. In einer frühen Szene, während der berüchtigten Verbrennung der Briefe, schreibt Pheby:

Es gab Wörter in Folge, aber sie waren bedeutungslos. Wie viele, dachte er, würden das Gesetz  brechen? Was macht Sinn? „

Phebys Talent ist es, die ethischen, literarischen und philosophischen  Fragen zu Lucias Fall zu erörtern und sie in den Mittelpunkt emotionaler und intellektueller Anteilnahme zu rücken.

Der Roman handelt von den Gerüchten über Inzest. In einer bemerkenswerten Passage scheint der Autor in sein Buch einzusteigen und sowohl sein Projekt als auch den Kanon der „Lucia“ -Literatur zu untersuchen, die es anspricht:

Wenn man Geheimnisse hat und dann die Beweise dieser Geheimnisse in einem Scheiterhaufen verbrennt, lädt man Spekulationen ein, und Spekulation ist in gewisser Weise unendlich. . ] Alles, was möglich gewesen wäre , ist in Ermangelung von zerstörten Beweisen , die sich vielleicht als falsch erwiesen hätten,  heute ebenso korrekt. „

Als emotional kraftvoller und ständig fragender Roman untersucht Lucia Spekulation, Wahrheit in einer unlösbaren Einheit von Geschichte, Biografie und Erzählung.

Zur „Deutschen Kultur“

thea dorn-deutsch nicht dumpf-schriftsaetzer-blog-cellensia-celle-juergen muegge luttermannDeutsch – was ist das ?

 

„Eine spezifisch deutsche Kultur ist schlichtweg nicht identifizierbar“ .

Das erklärte die  ehemals von der Bundesregierung Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özogüz – SPD, im Jahre 2017. Die in Hamburg geborene Deutschtürkin trat mit diesem  ebenso mutigen wie falschen Statement einen kleinen Skandal los. Denn der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland verkündete im Wahlkampf postwendend lauthals, er wolle die SPD-Politikerin „in Anatolien entsorgen“.

Der eigentliche Skandal in dieser Causa war allerdings das Schweigen der großen Mehrheit der Verantwortlichen in Politik, Medien und Kulturbetrieb unserer Republik. Es gab weit und breit  offenbar niemanden, der bereit war, seinen Hut für die identitätsstiftende Kraft einer „deutschen Kultur“ in den Ring zu werfen. Kein Feuilletonist, keine Kulturschaffender, kein Künstler, kein Autor, kein Theaterregisseur – von der Politik erwartet man das ja ohnehin nicht mehr – meldete sich zu Wort, ein gutes Wort für die angeblich „nicht identifizierbare“ deutsche Kultur einzulegen. Das war der eigentliche Skandal.

Die  studierte Philosophin, und Theaterwissenschaftlerin  Thea Dorn (Die deutsche Seele) muss es wohl ähnlich empfunden haben. Denn sie leitet mit der Frage nach dem Vorhandensein einer „spezifisch deutschen Kultur“  ihre Gedanken und Überlegungen zu einer deutschen Kulturgeschichte ein.

Gleich zu Beginn beleuchtet sie die große Komplexität des sogenannten Kulturbegriffs, indem sie keinen geringeren als den den österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein mit seinen „Philosophischen Untersuchungen“ zu Wort kommen lässt. Sein expliziter Verweis auf den sehr komplexen Sinngehalt des scheinbar einfachen Begriffs „Spiel“ verdeutlicht schlaglichtartig, worauf wir uns einlassen müssen, wenn wir die Geschichte, Vielschichtigkeit und Facettenreichtum eines allgemeingültigen Kulturbegriffs in Worte kleiden wollen.

 So sei es laut Thea Dorn, auch mit der „deutschen Kultur“:

Man hat es mit einem komplizierten Netz von Ähnlichkeiten zu tun, die „einander übergreifen und kreuzen“.

Wer über diese deutsche Kultur sprechen will, hat eine durchaus intellektuell anspruchsvolle Aufgabe vor sich. Ähnlich verfährt Thea Dorn mit den Begriffen  „Heimat“, „Leitkultur“ oder „Nation“. Ihr Patriotismus lebt von den  heutzutage erwartbaren  Schwierigkeiten einer mutigen, dezidierten, wie auch immer definierten Haltung, dem kritischen Denken und der Dialektik der permanenten Auseinandersetzung  mit  Kombatanten von links und rechts.

 Dabei  unterscheidet die Autorin ein „Lager der Krawallmacher“ und ein „Lager der Konsensverwalter“. Der Streit zwischen beiden verhindere „konstruktive Auseinandersetzungen“.

Zu Wort kommt auch Kurt Tucholskys:

Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ,national‘ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. … Wir sind auch noch da.“ 

Es ist ein aufrichtiges Plädoyer, die Komplexität und den Konfliktreichtum  der deutschen Kultur anzunehmen und diese Merkmale als ihr Wertvollstes zu erkennen. Wenn es denn richtig ist, dass  unsere vielbeschworene „Naturliebe, Heimweh und Fernweh und Menschheitspathos“ und vieles mehr miteinander ringen und dieses ständige Bemühen um die tiefere Erkenntnis die wahren Antriebskräfte einer deutschen Kultur waren, dann sollten sich deutsche Patrioten motiviert einmischen, kritisieren und argumentieren. Ja, auch polemisieren.

Thea Dorn – deutsch, nicht dumpf – Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten. Albrecht Knaus Verlag –  336 Seiten – ISBN 978-3-8135-0810-9

 

 

 

 

Prinzessin von Ahlden – erster Sophie-Dorothea-Tag 2018

Zum Frühlingsanfang:

„Ein vortreffliches Frauenzimmer“

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Renate du Vinage über  Eleonore Desmier d’Olbreuse und ihre Tochter Sophie-Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle, die Prinzessin von Ahlden

Nun ist diese umfangreiche Biographie der Mutter der „Prinzessin von Ahlden“ seit einigen Jahren in zweiter Auflage erschienen und der erste „Sophie-Dorothea-Tag“ in Ahlden und Eilte am 15. September 2018 ist ein durchaus geeigneter Anlaß, dieses Buch noch einmal vorzustellen. Nicht nur für die LeserInnen aus der Region des damaligen Herzogtums Celle ist es eine sehr lesenswerte Reise in die Epoche zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Beginn der Aufklärung, und es ist darüberhinaus die spannende Geschichte des Aufbegehrens einer jungen Prinzessin gegen die Staatsräson einer absoluten Herrscherfamilie.

Die junge Prinzessin Sophie-Dorothea von Braunschweig-Lüneburg-Celle, Tochter der Eleonore Desmiers d’Olbreuse , der „Großmutter Europas“, wurde gegen ihren  Willen mit ihrem Cousin, dem Erbprinzen von Hannover und seit 1714 König Georg I. von Großbritannien, verheiratet. Die dramatische und unheilvolle Flucht aus dieser unglücklichen Ehe in die Arme des schwedischen Offiziers Königsmarck endet eines Nachts mit der Ermordung des Schweden im Leineschloß und ihrer Verbannung auf das Schloss in Ahlden an der Aller. Die „Königsmarck-Affaire“ war seinerzeit , zur Betrübnis des Hauses Hannover, ein an den Höfen Europas vielbeachteter Skandal; die romantische Legende umweht bis heute die sogenannte „Prinzessin von Ahlden“.

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Renate du Vinage – Ein vortreffliches Frauenzimmer ist erschienen im Meissners Verlag – 470 Seiten – ISBN: 978-387527-117-3

Wittgenstein !

Ludwig Wittgenstein, Swansea, Wales, September 1947 Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt

“ Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen !“

Herbert Marcuse nannte ihn einen „Zerstörer der Philosophie“. Alles Metaphysische lehnte er strikt ab . Die Philosophie des 20. Jahrhunderts hatte nichts zu sein als eine Wissenschaft – rein und klar. Einfach, rein und klar, so wie er es in der Wiener Schule um Otto Loos u,a, gelernt hatte. Jeglicher Zierrat, auch geistiger, hatte zu verschwinden.

“ Die Welt ist, was der Fall ist „.

war das Fazit seines „Tractatus logico-philosophicus „.  Seine Studien betrieb er in Cambridge  unter Bertrand Russell. Kein herkömmliches Kontinuum  dieser Text, der die Welt der Philosophie vom Kopf auf die Beine stellte , sondern das Leuchtfeuer  solitärer Gedankenblitze eines besessenen Suchers.

„Die unvermutete Wiederkehr eines mönchischen Moments im moralischen Zentrum des Bürgertums.“ nennt es Peter Sloterdijk.

Konsequent verschenkte er seinMillionenerbe, um als Lehrer zu arbeiten.

Indem er die Empiriker anhielt „zum Staunen darüber,  nicht wie die Welt ist, sondern daß sie ist“, infizierte er die Philosophie mit einem wissenschaftlichen Präzisionsstil-Gedanken.

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Rein und klar – dieses Haus baute Wittgenstein in Wien  für seine Schwester 1925

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PHILOSOPHIE JETZT   hat dazu einen aufregend zu lesenden Band vorgelegt mit einem Vorwort von Peter Sloterdijk. – Wittgenstein – im Eugen Diederichs Verlag (Suhrkamp)

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Bücher 2018

 

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Bilder aus Bargfeld

Arno Schmidt – Eine Bildbiographie

 Mit 455 Seiten im Format 22 x 30 cm kein ganz so großer Brocken wie Zettels Traum: Für diese erste mehr als umfangreiche Bildbiographie über den Dichter aus der Osthaide, Arno Schmidt, haben die Herausgeber in den Archiven geforscht und vieles Neues, Unbekanntes und Erstaunliches zutage gefördert: Fotografien, Zeichnungen, auch Dokumente jeglicher Art, diverse  Manuskripte, Notizen und Briefe, Alltägliches und Kurioses. Ergänzt wird das ganze Material durch Texte aus Arno Schmidts Werk, Notizen aus den Tagebüchern von sowie Kommentare von Kollegen und Freunden.
Halbleinen, 460 Seiten
ISBN: 978-3-518-80400-1

» … herrlich gestaltet vom großen Typografen und Schmidtianer Friedrich Forssman und mit lauter Fundsachen.«   DIE ZEIT

 

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Montaigne – Essays

Drei Bände Kapital stabilisieren das Regal ! hieß  es in unseren Studentenjahren. Dieser in jeder Hinsicht große Montaigne aus der Anderen Bibliothek tuts auch; wenns noch wackelt stellen Sie doch einfach den Arno Schmidt dazu.

Montaigne spricht zu uns, als wäre er der erste Mensch , der über die Welt, wie er sie erlebt, nachdenkt. Er kannte  Autoritäten seiner Zeit, doch er hielt sich nicht an sie. Eine aufrichtige, beharrliche Unbeirrbarkeit zeichnet diesen Schriftsteller aus, ein erfischender Eigensinn. Seine individuelle Freiheit des Geistes  und Denkens ist keine metaphysische Größe, sondern ein Gut, das er sich durch seinen beständigen  und unerschütterlichen Mut und seine Beharrlichkeit selbst erworben hat.

 Montaignes berühmte Essais liegen hier, übersetzt von Hans Stilett, vollständig vor, herausgegeben in einer bibliopilen Sonderausgabe von Hans Magnus Enzensbergers Anderen Biblothek .

 »Daß ein solcher Mensch geschrieben hat, dadurch ist die Lust auf dieser Erde zu leben vermehrt worden«,

schrieb Friedrich Nietzsche über den französischen Philosophen Michel de Montaigne.  Auch Thomas Bernhard mochte ohne den großen Montaigne nicht leben.

Montaigne – Essays – erschienen in der „Anderen Bibliothek“.

 

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Michael Degen – Der traurige Prinz

Roman einer wahren Begegnung 

Ein deutscher Schauspieler kommt nach einem Gastspiel-Auftritt mit einem Mann ins Gespräch. Staunend erkennt er die unverwechselbare Stimme : Es ist der berühmte Oskar Werner, Theatergott und oscarnominierter Filmstar. In dieser Nacht erzählt Werner sein Leben: ein Wiener Bub aus armen Verhältnissen, der früh an der «Burg» spielte, der gegen die Nazis opponierte, desertierte und knapp dem Tod entkam. Werner liegt nicht nur die Film- und Theaterwelt zu Füßen, er arbeitet mit Richard Burton, François Truffaut. Dann aber lehnt er Angebote etwa von Stanley Kubrick ab. Es sind die tiefen Zweifel an seinem Leben, seiner geliebten Kunst, die ihn hoffnungslos in den Alkohol und Tod treiben.

Den jüngeren Kollegen wird diese Nacht verändern – er blickt in den Abgrund einer zerrissenen  Seele, erkennt die Schattenseiten des Ruhms. Michael Degen ist Oskar Werner («Jules und Jim», «Das Narrenschiff» „Der Spion der aus der Kälte kam“  u.a.) wirklich begegnet. Atemlos  erzählt er von jener Nacht in Vaduz 1983 , schildert Werners Leben, das durch finstere Zeiten, über Erfolg  und Triumph in die Selbstzerstörung führte. Und Michael Degen berichtet von anderen prägenden Erlebnissen, mit Gustaf Gründgens oder Ingmar Bergman. Fast eine Autobiographie – das persönlichste Buch des Schauspielers und Autors.

Erschienen bei Rowohlt – ISBN978-3-87134-768-9

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Warte nicht auf bessre Zeiten

Selten sind persönliches Schicksal und deutsche Geschichte so eng verwoben wie bei Wolf Biermann. Ein Leben zwischen West und Ost, ein Widerspruchsgeist zwischen allen Fronten. Mit sechzehn ging er in die DDR, die er für das bessere Deutschland hielt. Hanns Eisler ermutigte ihn, Lieder zu schreiben, bei Helene Weigel assistierte er am Berliner Ensemble. Dann fiel er in Ungnade, erhielt Auftritts- und Publikationsverbot. Die Stasi observierte ihn rund um die Uhr, während er im Westen gefeiert und geehrt wurde. Die Proteste gegen seine Ausbürgerung 1976 gelten als Anfang vom Ende der DDR.

Eindringlich erzählt Biermann vom Vater, der als Jude und Kommunist in Auschwitz ermordet wurde, von der Mutter, die ihn aus dem Hamburger Bombeninferno rettete, vom väterlichen Freund Robert Havemann, mit dem er das Los des Geächteten teilte. Er führt uns in die absurde Welt der DDR-Diktatur mit ihren Auswüchsen, aber auch ihren täglichen Dramen menschlicher Widerständigkeit. Und er erzählt von seinen in den Westen geschmuggelten, im Osten heimlich kursierenden Liedern, deren »Verskunst, robuste Rhetorik und gewaltige Sprachkraft« Marcel Reich-Ranicki lobte. Bei aller Heftigkeit des Erlebten lesen sich Biermanns Erinnerungen wie ein Schelmenroman in bester schweijkscher Manier. Ein einzigartiges Zeitzeugnis.

Biographie/Autobiographie –576 Seiten – ISBN-13 9783549074732

The last bookstore

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Was er uns hinterlassen hat:

Stephen Hawking – Eine kurze Geschichte der Zeit

Das Buch, das unsere Weltsicht verändert hat

Woher kommen wir? Warum ist das Universum so, wie es ist? Dieses Buch hat unsere Weltsicht verändert – und zugleich setzte es neue Maßstäbe für die Darstellung komplexer physikalischer Zusammenhänge. Stephen Hawkings ‚Eine kurze Geschichte der Zeit‘ hat das Wissen über die Entstehung des Universums, Schwarze Löcher, das Wesen der Zeit und die Suche nach der Weltformel in der Physik und Kosmologie populär gemacht wie kein anderes. Das Credo eines Jahrhundert-Genies. –

Erschienen als Taschenbuch bei Rowohlt rororo.

 

Music from Big Pink von John Niven-buch-schriftsaetzer-wordpress-blog-rockmusik-bob daylan-the band-woodstock

John Niven – Music from Big Pink

Big Pink wurde 1966 in Woodstock das Holzhaus genannt, in dem Bob Dylan und The Band ihre legendären Live-Aufnahmen im Keller einspielten. Die von Drogen und Alkoholgenuß gezeichneten und durchaus beflügelten  „Basement Tapes“. Erst spät wurden sie offiziell veröffentlicht, als der US-Markt schon von unzähligen bootleg-Versionen überschwemmt war. Inzwischen liegt eine erweiterte Ausgabe auf CD vor . Zu  den dargebotenen Stücken kann man durchaus geteilter Meinung sein wie auch zu der dröhnenden Klangqualität kahler Betonwände. Eines ist gewiss; die Stimmung in Big Pink war bombig, hier dröhnten nicht nut die Wände.

John Niven beschreibt die Szenerie im Woodstock der wilden 60er , angefüllt auch mit fiktionären Szenen und Gesprächen – das alles mit der Phantasie eines Drogenkuriers jener Tage , er begnügt sich nicht nur mit den vorgefundenen Fakten:

„Man kommt in all die Backstageräume, die Limos, die Privatjets – man hat überall und jederzeit Zugang. Ich fragte mich, ob ich so eine Figur wohl mit einer realen Rockband kombinieren und die Geschichte mit dem Entstehen eines Rock-Klassikers verflechten könne“,

schreibt der Autor. Und man darf sagen: ja, das konnte er sehr gut. Kris Kristofferson singt: „He’s a walking contradiction, partly truth and partly fiction“. Die Dialektik von Faction  und Fiction ist  immer spannend, weil  der große Zampano Bob Dylan seit jeher  ein Meister des Verschleierns und Vernebelns und Lügens war. Dass er fromm und fröhlich jederzeit das Blaue vom Himmel herunter log, wenn es um seine eigene Biografie ging, ist erwiesen. Bizarr, dass kürzlich ein Redakteur des „New Yorker“ seinen Hut nehmen musste, weil er mit getürkten Dylan-Zitaten arbeitete. Daß das Buch von John Niven so falsch nicht sein kann, belegt ein Gruß von Band-Sänger Robbie Robertson, der dem Autor ausrichten ließ, dass ihm das Buch viel Spaß gemacht habe, und fragte:  „Ist der Typ etwa dabei gewesen?“

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Wenn Sie die gleichnamige Schallplatte aus Woodstock – die 1968 erschienene, erste LP der Dylan-Kumpels „TheBand“  – noch nicht kennen, um so besser. Sie können sie jetzte zusammen mit dem Buch entdecken ! Es ist nie zu spät eine schöne Jugend zu haben.

John Niven – „Music from Big Pink“  erschienen  als Taschenbuch im Heyne Verlag.

 

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Neil Young – Special deLuxe

Der Ausnahmemusiker  Neil Young und seine zweite große Leidenschaft: Nach seinem unkonventionellen autobiographischen Buch »Ein Hippie-Traum« präsentiert Neil Young in »Special Deluxe« nun im Spiegel seiner unzähligen Traumautos weitere sehr persönliche, warmherzige und humorvolle Geschichten aus seinem Leben. In seinen musikalischen Anfängen fuhr er mit seinen Lieblingsschlitten von Gig zu Gig. Wenn er sich die Reparatur nicht leisten konnte, ließ er sie auch schon einmal am Straßenrand stehen – und fragt sich bis heute, was aus ihnen geworden ist. Mit dem Erfolg kamen die Sammelleidenschaft und ein Fuhrpark beträchtlichen Ausmaßes: Das Leben des großen Musikers Neil Young ist nicht zuletzt ein Leben mit wunderschönen, vor Chrom glänzenden Oldtimern. Und so nimmt er seine Fans erneut mit auf die Fahrten seines Lebens, erzählt von Familienausflügen mit seinen Eltern, von seinen ersten Konzerttouren mit »Mort«, seinem geliebten Bestattungswagen, vom Rock`n`Roll-Leben, von Spritztouren mit seinen Kindern, vom Entdeckerglück des Sammlers, von seinem Engagement für die Verbreitung umweltfreundlicher Fahrzeuge – und entpuppt sich nicht zuletzt als großartiger Zeichner seiner Lieblinge auf Rädern.

»Special Deluxe« liest sich, als säße man auf dem Beifahrersitz neben einem vergnügt plaudernden Neil Young und führe mit ihm in einem seiner Oldtimer durch sein Leben. Ein herrliches Geschenk für alle Fans von Neil Young. Und das ultimative Geschenkbuch für alle Männer, die das Kind in sich bewahrt haben.

Kiepenheuer&Witsch
Titel der Originalausgabe: Special Deluxe. A Memoir of Life and Cars
Aus dem amerikanischen Englisch von Michael Kellner und Guntrud Argo
ISBN: 978-3-462-04757-8
416 Seiten, gebunden mit SU – Mit ca. 50 Farbzeichnungen des Autors

 

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Und das Sie gerade hier sind:  zum Nach- und Neulesen  die ultimative Witzigkeit  der Siebzigerjahre:

Eckhard Henscheid – Geht in Ordnung – sowieso —   genau —

Ein Tripelroman über zwei Schwestern, den ANO-Teppichladen und den Heimgang des Alfred Leobold“

Der erste Band der berühmten „Trilogie des laufenden Schwachsinns“

Henscheid wählt wieder die Ich-Form. „Moppel“, ein  gut situierter Jung-Rentner, langweilt sich in dem kleinen Kaff Seelburg. Seine erotischen Ambitionen mit zwei Schwestern verfolgt er eher halbherzig und schon bald ist er viel mehr an den Geschehnissen im ANO-Teppichladen interessiert, den Alfred Leobold und sein Mitarbeiter Hans Duschke (ein greiser Treibauf, ständig auf der Jagd nach „Büchsen“) zu einer Kneipe umfunktionieren, in der rauschende Feste gefeiert werden.

Es sind absolut bizarre Gestalten, die da im Teppichladen herumsaufen und herumrandalieren und zwischendurch die wenigen Kunden, die dort aufschlagen mit frechen Komplimenten oder unverhüllten Drohungen wieder hinauskomplimentieren.  Keine Störung wird geduldet  wenn es darum geht den letzten Sechsämtertropfen des Tages zu vernichten.

Allesamt schrägste Figuren, die durch ihre liebevolle Zeichnung faszinieren. Primus inter pares ist Alfred Leobold, der seinen Abgang aus dem ANO-Teppichladen mit grandioser Würde und wahrhaft stilvoll inszeniert. Leobold weiß zu begeistern, so dass das Traurige an der Geschichte, das langsame Sterben eines Alkoholikers, in den Hintergrund rückt. Der Herr der Teppiche und des Kühlschranks  ( Sekt und Sechsämter müssen gekühlt genossen werden !) hat stets alles im Griff und als souveräner Herrscher des alltäglichen Schwachsinns schmiedet er, ungeachtet seiner arg  angegriffenen Gesundheit, noch  jede Menge kühnster  Pläne. So wie hier:

“ Sabine und Alfred Leobold in Afrika! Immer noch fiel ich aus allen Wolken auf die regnerische Stadt Seelburg hinaus. So hatte es ja kommen müssen! Aber dieser Leobold würde vor lauter Schwäche ja nicht einmal bis zum Brennerpaß kommen, und Sabine hatte keinen Führerschein, fiel es mir in diesem Moment überraschend zu! … Die Vorstellung Alfred Leobolds im Kongo, das Lebenswerk Albert Schweitzers besichtigend und mit etlichen „Geht in Ordnung“ und „genau“ lobend und dann alle umstehenden 85 Neger zu einem Sechsämter einladend, machte mich, mitten auf der Straße, hemmungslos lachen.“

Wer das Buch nicht kennt, hat nicht gelebt ! Sowieso ! Genau !

Erschienen im Zweitausendeins-Verlag

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Der sowieso genaueste Beobachter seiner Zeit:  Eckhard Henscheid

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Und da Sie gerade dabei sind: dieser etwas näher dem Heutigen, Jetzigen zugewandte Henscheid gehört unbedingt in Ihre Hausapotheke.

„Über Manches“  von Eckhard Henscheid  erfreut mit  Satire, Erzählungen, Henscheidesken und echten Brüllern

Erschienen im Haffmans-Verlag

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Arno Schmidt zum (preiswerten ) Vergnügen

Bonmots, Zitate und typisch Schmidtsche Lebensweisheiten:

“ Das Verläßlichste sind Naturschönheiten. Dann Bücher; dann Braten mit Sauerkraut. Alles andere wechselt und gaukelt.“

Erschienen bei Reclam

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Die Arno-Schmidt-Anziehpuppe

Herr Schmidt läßt sich wahlweise mit einer Wildlederjacke mit Fellkragen oder der berühmten grünen Lederjacke (mit Fernglas) ausstatten. Dazu gibt es natürlich eine Katze sowie die Yashica 44 (nicht ganz maßstabsgetreu) zum Umhängen.

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Und das Arno-Schmidt-Haus als Bastelbogen !

Was es nicht alles gibt.

 

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Thomas Bernhard – Meine Preise

Thomas Bernhards zorniger Blick , nicht nur auf den Literaturbetrieb. Zu seinem 20. Todestag erstmalig publiziert, liegt der Bestseller jetzt auch als Taschenbuch vor.
Auf die gesamte Menschheit schimpfend und über sich selbst den Kopf schüttelnd, entwirft Thomas Bernhard ein Selbstporträt des Autors als Preis- und Preisgeldempfänger. In zorniger Rückschau zieht er darin eine Bilanz der ihm verliehenen Literaturpreise. Der erstaunte Leser erlebt hier einen Thomas Bernhar, wie er ihn so noch nicht gehört hatte.

Der Kollege Maxim Biller veröffentlichte 2009 eine Rezension mit dem schönen Titel: „Die  Lüge namens Bernhard“, in welcher er „Meine Preise“ als das beste Bernhard-Buch bezeichnete. Nun war leider diese ganze Rezension so hasserfüllt und unsachlich, daß man darüber die Decke der Barmherzigkeit breiten muss. Aber dieses Buch als Bernhards „bestes“ zu bezeichnen ist wirklich nur entsetzlich dumm; und die Art und Weise wie Biller hier über den Schreibstil von Thomas Bernhard herzieht zeigt uns eigentlich nur, daß er von der Literaturkunst des Autors nichts, aber auch gar nichts verstanden hat. Ja, man ist sogar versucht zu sagen – horribile dictus –  daß er Bernhard seinen übergroßen Erfolg neidet. Es klingt nämlich leider ganz genau so ! Und wenn er gar den verstorbenen großen  Österreicher Thomas Bernhard „ein Arschloch“ nennt, dann doch auch nur um mit diesem Kraftwort noch einmal ein wenig von sich reden zu machen… sonst hätte diesen Text eh niemand bemerkt, geschweige denn gelesen. ( leider veröffentlicht in der FAZ ) . Wie immer ist der Bernhardsche Blick auf die Welt und den Literaturbetrieb gnadenlos. Er teilt nach allen Seiten aus ohne sich selbst auszunehmen oder gar zu schonen.

Man lese einen Ausschnitt Bernhards Ansprache zur Verleihung des Österreichischen Staatspreises:

Die Zeitalter sind schwachsinnig, das Dämonische in uns ein immerwährender vaterländischer Kerker, in dem die Elemente der Dummheit und der Rücksichtslosigkeit zur täglichen Notdurft geworden sind. (…) Wir sind Österreicher, wir sind apathisch; wir sind das Leben als das gemeine Desinteresse am Leben, wir sind in dem Prozeß der Natur der Größenwahn-Sinn als Zukunft.“

Detailliert schildert Thomas Bernhard, der auch  begnadete Komiker , die Tragödien, zu denen sich die Überreichungen  entwickelten – egal, ob Bremer Literaturpreis, Grillparzer- oder Georg-Büchner-Preis. Thomas Bernhard hadert mit der Welt im allgemeinen, dem Kulturbetrieb im besonderen und ganz speziell mit sich selbst mittendrin. Und er übertreibt naturgemäß, daß sich die Balken biegen.

Bei Hoffmann & Campe  in Hamburg gibt es keine Preisverleihung. „Hier ist der Scheck“, sagte der Vertreter des Verlages und lud Thoma Bernhard zu einem vorzüglichen Mittagessen ein. Der fuhr mit dem Scheck nach Wien und kaufte sich davon sein erstes Auto, ein schneeweisses Triumph Herald Cabriolet, direkt aus dem Schaufenster.
suhrkamp taschenbuch 4186, Taschenbuch, 142 Seiten
ISBN: 978-3-518-46186-0

 

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Ferdinand von Schirach – Strafe

Wie wurden wir, wer wir sind?

Ferdinand von Schirach beschreibt in seinem neuen Buch „Strafe“ zwölf Schicksale. Wie schon in den beiden Bänden „Verbrechen“ und „Schuld“ zeigt er, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von „gut“ und „böse“ oft sind.  In ruhiger, distanzierter Gelassenheit und zugleich voller Empathie erzählt er von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern.

»Zwölf Texte – wieder aus der Welt der Justiz, schonungslos, präzise dann wieder zutiefst menschlich.«
 ISBN: 978-3-630-87538-5 – Erschienen:  05.03.2018 –

 

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Als Deutschland noch nicht Deutschland war

Wer mit Bruno Preisendörfer als Zeitreisender unterwegs ist, erlebt noch viel mehr: Er steht z. B. am 7. 11. 1775 morgens um fünf in Weimar vor dem Haus eines Kammergerichtspräsidenten namens von Kalb und sieht zu, wie Goethes Kutsche über das Pflaster rollt. Er besucht eine philanthropische Reformschule oder wird zwischen die Bauernkinder in die Bänke einer Dorfschule gesteckt. Er geht an die Universität, um Kant und Fichte zu hören, Verständnisschwierigkeiten müssen ihm nicht peinlich sein, es ging den Zeitgenossen ebenso. Aber der Zeitreisende lernt nicht nur den philosophischen Zeitgeist kennen, sondern erlebt auch handfeste Abenteuer, übersteht mit dem jungen Eichendorff einen Schiffsunfall auf der Oder, sieht aus E.T.A. Hoffmanns Eckfenster am Gendarmenmarkt Berlin brennen, oder ist bei Georg Lichtenberg in Göttingen, als der durchs Fernglas der Beerdigung von Gottfried August Bürger zusieht. Man schaut genau hin und wundert sich nicht selten – auch über banalste Alltäglichkeiten.

Erschienen bei Galiani-Berlin – ISBN: 978-3-86971-110-2 –

 

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Philipp Blom – Böse Philosophen

Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung
Die Suche nach einer wirklich menschlichen Gesellschaft

Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Revolution: Im Salon des Barons d‘Holbach treffen sich regelmäßig die besten Köpfe Europas. Denis Diderot, David Hume, Laurence Sterne, Jean-Jacques Rousseau und viele andere Denker des 18. Jahrhunderts streiten um eine zeitgemäße Philosophie, die die Religion hinter sich lässt und allein auf die Kraft des Verstandes setzt, aber auch den Leidenschaften angemessenen Platz einräumt. Die Geschichte und Geschichten der „Encyklopädisten“ neu und spannend erzählt.

Jetzt auch bei DTV als Taschenbuch erschienen.